Kreisvorsitzender Hans Feuß wirft Bundes-SPD Schlingerkurs vor Feuß: »Dann wäre ich bereits aus der Partei ausgetreten«

Gütersloh (WB/mdel). Hans Feuß versucht erst gar nicht, seine Verärgerung zu verbergen. »Wenn es nur um Bundespolitik gehen würde, wäre ich bereits aus der Partei ausgetreten. Gott sei Dank gibt es noch die Landes- und Kommunalpolitik. Da sind wir deutlich besser aufgestellt«, sagt der SPD-Kreisvorsitzende im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Der Kreisvorsitzende Hans Feuß vermisst den Willen zur Erneuerung in der SPD.
Der Kreisvorsitzende Hans Feuß vermisst den Willen zur Erneuerung in der SPD. Foto: Wolfgang Wotke

In den sozialen Netzwerken macht Feuß seinem Unmut bereits seit Wochen Luft. Er wirft seiner Partei, insbesondere Parteichef Martin Schulz, einen Schlingerkurs vor. Auslöser war der Einstieg in Sondierungsgespräche für eine Große Koalition mit der Union. »Es ist kein Politikwechsel erkennbar«, kritisiert Feuß.

Von SPD-Themen wie der Bürgerversicherung, einem höheren Spitzensteuersatz und der Vermögenssteuer sei nach den Gesprächen nichts geblieben. »Martin Schulz eiert von einer Richtung in die andere« , ärgert sich der Kreisvorsitzende mit Blick auf den Abend der Bundestagswahl, als Schulz eine Koalition mit der CDU noch kategorisch ausgeschlossen hatte. Feuß: »Wenn ich Chef von einem Laden bin, dann muss ich eine klare Linie vorgeben. Die ist in der SPD nicht erkennbar. Er kommt als rheinische Frohnatur daher.«

Der frühere Landtagsabgeordnete fürchtet, dass zwischen Basis und der Parteiführung ein Riss entsteht, der nur schwer zu kitten sein wird. »Für einen Politikwechsel benötigt man auch neue, jüngere Leute. Derzeit ist der Willen zur Erneuerung jedoch nicht zu sehen«, meint Feuß, der den Kreisvorsitz – wie bereits vor zwei Jahren angekündigt – Anfang Juni aufgeben wird. Ein möglicher Nachfolger hat sich bislang noch nicht herauskristallisiert.

Feuß rät seiner Partei, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. »Wenn wir schlau sind, brechen wir die Gespräche ab. Was spricht denn eigentlich gegen eine Minderheitsregierung der CDU?«

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