Berliner Ensemble gastiert in Gütersloh mit »Der Gott des Gemetzels« Am Ende hilft nur noch Rum

Gütersloh (WB). Einmal mehr ist es dem Intendanten des Gütersloher Theaters Christian Schäfer gelungen, hochkarätige Schauspielkunst nach Gütersloh zu holen. Am Wochenende gastierten vier Schauspieler des Berliner Ensembles, die das Publikum mit einer herrlichen Inszenierung des bekannten Theaterstücks »Der Gott des Gemetzels« von Yasmina Reza begeisterten.

Von Jan Hermann Ruthmann
Véronique Houillé (Dörte Lyssewski) schreit ihren Mann Michel (Tilo Nest, rechts) an. Alain Reille (Michael Maertens) greift zum Alkohol.
Véronique Houillé (Dörte Lyssewski) schreit ihren Mann Michel (Tilo Nest, rechts) an. Alain Reille (Michael Maertens) greift zum Alkohol. Foto: Jan Hermann Ruthmann

Das Stück für vier Personen beginnt ganz harmlos. Annette und Alain Reille besuchen Véronique und Michel Houillé, die Eltern eines Klassenkameraden ihres Sohnes Ferdinand, in ihrer Pariser Wohnung. Der elfjährige Ferdinand hat seinen Klassenkameraden Bruno angegriffen und ihm mit einem Stock zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Reilles geben sich schuldbewusst, die Houillés möchten den Konflikt der Kinder gerne friedlich lösen. Véronique ist eine sozialkritische Schriftstellerin, die an einem Buch über den Darfur-Konflikt arbeitet, ihr Mann betreibt einen Eisenwarengroßhandel. Annette ist Vermögensberaterin und Alain ein erfolgreicher Anwalt, der für einen Pharma-Konzern arbeitet.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, der Ton wird rauer. Ständig unterbrochen wird die Diskussion über Schuld und Unschuld der Kinder von geschäftlichen Telefonaten Alains, der versucht unerwünschte Nebenwirkungen eines Arzneiproduktes zu vertuschen. Auch das Telefon der Houillés steht nicht still, Michels Mutter ist am anderen Ende der Leitung. Als dann herauskommt, dass Michels Mutter dasselbe Produkt einnimmt, das Alain versucht zu verteidigen, eskaliert die Situation völlig.

Annette übergibt sich auf einen Bildband von Oskar Kokoschka

Erschwerend kommt hinzu, dass Michel den Hamster seiner Tochter ausgesetzt und damit getötet hat, deshalb können sie ihren eigentlichen Standpunkt, die Verurteilung jeglicher Gewalt, nicht länger aufrecht erhalten. Annette wird während der Diskussion übel und sie übergibt sich auf einen wertvollen Bildband mit Werken des Malers Oskar Kokoschka.

Der von Michel angeschleppte Rum tut das übrige, Annette und Véronique betrinken sich und als Annette endgültig genug von den Telefonaten ihres Mannes hat, wirft sie das Handy in eine Blumenvase. Am Ende ist der Konflikt der Kinder Nebensache. Einzig Alain fühlt sich in seiner Weltanschauung bestätigt, weil er immer schon an den »Gott des Gemetzels« geglaubt hat.

Bei Gefühlen wird’s besonders stark

Die vier Schauspieler brauchen keine großen Requisiten um zu glänzen. Dörte Lyssewski als Véronique, Tilo Nest als Michel, Corinna Kirchhoff als Annette und Michael Maertens als Alain überzeugen mit einer Spielfreude, die sich in jeder Szene, in jedem Dialog widerspiegelt. Alle vier glänzen besonders in Szenen mit Gefühlsausbrüchen.

Die vier spielen das Stück, inszeniert von Jürgen Gosch, schon mehr als elf Jahre. Am 2. Dezember 2006 wurde es am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Diese Uraufführung wurde unter anderem mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet.

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