Cornelia Höppner (31) gründet Narkolepsie-Selbsthilfegruppe Wenn Schlaf zur Sucht wird

Gütersloh (WB). Es kann passieren, wenn sie sich erschreckt oder wenn sie heftig lachen muss: Dann kann Cornelia Höppner spontan in tiefen Schlaf fallen – die Gütersloherin leidet an seltener Narkolepsie und hat jetzt eine Selbsthilfegruppe (SHG) gegründet.

Von Carsten Borgmeier
Cornelia Höppner (31, im Vordergrund) ist von Jenny von Borstel (57) dabei unterstützt worden, die in der Region wohl einzigartige Selbsthilfegruppe zu gründen.
Cornelia Höppner (31, im Vordergrund) ist von Jenny von Borstel (57) dabei unterstützt worden, die in der Region wohl einzigartige Selbsthilfegruppe zu gründen. Foto: Carsten Borgmeier

Mit ihren erst 31 Jahren ist die gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin auf einen Rollator angewiesen und benutzt im Bad einen Duschstuhl, ihren Rentenantrag hat sie eigenen Angaben gestellt.

Pro Tag komme es mindestens zwei bis drei Mal vor, dass ihr schwindelig werde und sie einzuschlafen drohe. »Als mir das im November 2016 in meinem Job als Taxifahrerin mit einer Kundin an Bord passierte, habe ich die Arbeit aufgegeben«, berichtete Cornelia Höppner am Dienstag im Vorfeld des ersten Treffens ihrer neuen Selbsthilfegruppe.

Das soll am Samstag, 20. Januar, in den Räumen der Frauenberatungsstelle an der Münsterstraße 17 von 15 bis 17 Uhr stattfinden. Die junge Frau hofft, dass es ihr durch den regelmäßigen Austausch mit Menschen, die ebenfalls an der auch als Schlafsucht bekannten Narkolepsie leiden, langfristig besser geht. Geplant sind weitere Treffen an jedem dritten Samstag im Monat, ergänzt Jenny von Borstel von der Bürgerinformation Gesundheit und Selbsthilfe-Kontaktstelle (BIGS). Die 57-Jährige hat Höppner mit Rat und Tat unterstützt, die SHG aus der Taufe zu heben.

Da bundesweit wohl nur etwa 40.000 Menschen an dieser neurologischen Krankheit leiden, hat Cornelia Höppner bislang nur selten Betroffene kennenlernen können. »Bis überhaupt die Diagnose Narkolepsie zweifelsfrei feststand, vergingen Monate«, berichtet die Gütersloherin. Schon als Kind und Jugendliche sei ihr ihr enormes Schlafbedürfnis zwar aufgefallen, »doch habe ich dafür immer andere Gründe gefunden«, erzählt die 31-Jährige. Mal habe sie es auf die Partynacht, mal auf eine intensive Arbeitswoche geschoben. »Es kam schon mal vor, dass ich drei Tage und Nächte am Stück durchgeschlafen habe«, blickt Cornelia Höppner zurück.

Bis die eindeutige Diagnose im Februar 2017 festgestanden habe, war sie mehrfach von ihrer Hausärztin gründlich untersucht worden. Die vermutete anfangs eher eine Depression, doch auf die Narkolepsie seien schließlich Experten des Bielefelder Schlaflabors sowie eine Neurologin des St.-Johannisstifts gestoßen, berichtet die Frau.

Cornelia Höppner will in der Selbsthilfegruppe anderen Erkrankten Mut machen, mit der chronischen, also nicht heilbaren Narkolepsie besser umgehen zu können. Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich ihr Krankheitsbild überdies verschlechtert. Während der Schlafphasen leide sie an Halluzinationen und Albträumen. »Da sehe ich in meinem linken Bein ein Messer stecken, doch tatsächlich ist da gar keines«, berichtet sie aus ihrem Alltag. Um solche Phasen zu unterdrücken, muss Höppner täglich Tabletten nehmen. Weitere Informationen zu der SHG gibt es unter Tel. 0151-55364851.

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