Präsidium Bielefeld nimmt Ermittlungen gegen Gütersloher Zivilfahnder auf Nach Schuss bei Verfolgungsjagd: Ermittlungen gegen Polizisten

Gütersloh/Bielefeld (WB). Ein mit Haftbefehl gesuchter Mann (21) aus Lünen rast auf dem Rastplatz Niedergassel in seinem Peugeot auf Polizeibeamte zu. Ein Zivilfahnder aus Gütersloh feuert mit seiner Dienstwaffe auf den Reifen des Wagens, um den Flüchtenden zu stoppen. Das Polizeipräsidium Bielefeld nimmt Ermittlungen auf – und zwar gegen den Beamten, der seine Waffe gezogen hat.

Von Stephan Rechlin
Weil ein Gütersloher Zivilfahnder versucht hat, den Wagen eines Flüchtenden auf dem Rastplatz Niedergassel mit Schüssen auf den Reifen zu stoppen, muss er sich den internen Ermittlungen des Polizeipräsidiums Bielefeld stellen.
Weil ein Gütersloher Zivilfahnder versucht hat, den Wagen eines Flüchtenden auf dem Rastplatz Niedergassel mit Schüssen auf den Reifen zu stoppen, muss er sich den internen Ermittlungen des Polizeipräsidiums Bielefeld stellen. Foto: dpa

Freitagabend, 21.50 Uhr. Die Gütersloher Zivilfahnder hatten den polizeilich gesuchten Mann aus Lünen schon länger beobachtet. Auf dem Rastplatz wollten sie ihn festnehmen. Als der Mann das bemerkt, fährt er dem Polizeibericht zufolge plötzlich auf die auf ihn zuschreitenden Beamten zu. Einer von ihnen schießt auf die Vorderreifen des Peugeots, um ihn zu stoppen. Der Reifen wird beschädigt, doch der Mann setzt seine Flucht fort.

Es folgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd . Der Flüchtige verlässt in Gütersloh die Autobahn, fährt weiter in Richtung Verl, von dort aus geht’s nach Friedrichsdorf. Unterwegs missachtet er rote Ampeln, umfährt von der Polizei aufgestellte Straßensperren, gefährdet andere Verkehrsteilnehmer und versucht, Polizeiautos zu rammen. Zwei Beamte können sich an der Kreuzung Paderborner Straße/Avenwedder Straße nur durch einen Sprung in Sicherheit bringen.

Schusswaffe ist letztes Mittel der Wahl

Auf der Ummelner Straße gelingt es, das Fahrzeug zu stoppen und den Fahrer festzunehmen. Hierbei wird ein Beamter leicht verletzt. Der Flüchtige leistet auch bei der Festnahme noch Widerstand. Ein Alkohol- und ein Drogentest fällt negativ aus. Das Polizeipräsidium Bielefeld teilt mit, eine Ermittlungskommission gebildet zu haben. Deren Arbeit zielt vor allem auf die Frage, ob der Gütersloher Zivilfahnder seine Waffe am Rastplatz ziehen durfte oder nicht.

Polizeisprecher Achim Ridder bestätigt die Ermittlungen: »Als neutrale Behörde hat das Bielefelder Präsidium diese Aufgabe übernommen. Es ist eine Routineermittlung, die immer vorgenommen wird, wenn Beamte Schusswaffen einsetzen.«

Dem nordrhein-westfälischen Polizeigesetz zufolge ist zu prüfen, ob es nach »pflichtgemäßen Ermessen« tatsächlich erforderlich war, in der Situation auf dem Rastplatz Niedergassel »unmittelbaren Zwang« durch den Einsatz der Dienstwaffe auszuüben. Der Schuss in den Reifen eines flüchtenden Autos ist dem Gesetz nach durchaus zulässig – allerdings ist dabei unter anderem zu prüfen, ob nicht andere Menschen – Kollegen, Passanten – dadurch gefährdet werden können. Der Einsatz einer Schusswaffe gilt als letztes Mittel der Wahl.

Einsätze richten sich vor allem gegen Tiere

Statistisch sind solche Vorfälle äußerst selten. Nach den von der Deutschen Hochschule für Polizei in Münster ermittelten Daten ziehen die 300.000 Polizisten in Deutschland ihre Waffen eigentlich nur, um zu üben – oder um gefährliche, kranke und verletzte Tiere zu töten. 12.656 Fälle dieser Art wurden 2016 in ganz Deutschland registriert. In 52 Fällen wurde auf Menschen geschossen. Elf Menschen starben, 28 wurden verletzt.

Kommentare

Der Beamte sollte vielleicht eher einen Pokal bekommen. Den Reifen eines fahrenden Fahrzeuges mit einer Faustfeuerwaffe zu treffen ist gar nicht so trivial...

Flucht

Ich finde es traurig, dass sich der Polizist für diesen Schuss noch verantworten muss. Schade nur, dass er mit seiner Aktion den Wagen nicht stoppen und den Flüchtigen auf dem Rastplatz stellen konnte. Damit hätte eine weitere Gefährdung anderer Menschen durch die Flucht verhindert werden können.

Na ja, die Polizei ist immer schuldig. Wozu haben wir sie überhaupt? Es wird noch schlimmer, weil die Kriminelle sich sicher fühlen. So ein Ganove bekommt Jugendstrafe auf Bewährung. Schon jetzt lacht er sich kaputt.

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