Martin-Luther-Kirche ist die erste Vesperkirche in Nordrhein-Westfalen Fürsorge auf Zeit

Gütersloh (WB). »Jeder ist so willkommen, wie er ist«, sagt Nils Wigginghaus, Initiator und Ideengeber, der zusammen mit der Steuergruppe die erste Vesperkirche in Nordrhein-Westfalen vorgestellt hat. Gerade wird dafür die Martin-Luther-Kirche in Gütersloh umgebaut. Vom 21. Januar bis zum 4. Februar werden dort kostenlose Essen ausgegeben.

Von Wolfgang Wotke
In der Martin-Luther-Kirche erhalten Bedürftige bald warmes Essen, finden menschliche Zuwendung und treffen auf Menschen aller Gesellschaftsschichten. Initiator Nils Wigginghaus (links) hat die Vesperkirche mit der Steuergruppe vorgestellt.
In der Martin-Luther-Kirche erhalten Bedürftige bald warmes Essen, finden menschliche Zuwendung und treffen auf Menschen aller Gesellschaftsschichten. Initiator Nils Wigginghaus (links) hat die Vesperkirche mit der Steuergruppe vorgestellt. Foto: Wolfgang Wotke

Gedacht ist die Vesperkirche für »Menschen, die es nicht so gut haben«, die im Leben mit Problemen kämpfen, die alt sind, arm oder die einfach nur Gesellschaft suchen. »Sie alle treffen in der Vesperkirche aufeinander«, drückt es Stefan Salzmann aus. »Wir wollen alle hier vereinen, salopp gesagt, vom Schlipsträger bis zum Obdachlosen, der mit seinem Hut in der Fußgängerzone sitzt.«

Wenn die Weihnachtskerzen erloschen seien und die Kälte in die Knochen krieche, dann seien diese Menschen in einer Vesperkirche gut aufgehoben. Sie gibt Hilfe und Unterstützung für Leib und Seele. Doch nicht nur Sattmachen sei das Ziel, sondern auch einen Ort zu schaffen, an dem sich die Menschen willkommen fühlen können, ergänzt Salzmann.

Wir haben die Vesperkirche aus Süddeutschland importiert«Nils Wigginghaus

Vesperkirchen sind in vielen Städten bislang nur in Süddeutschland bekannt. »Wir haben sie quasi importiert und wollen sie hier in Gütersloh zum festen Bestandteil des örtlichen Veranstaltungskalenders und des gemeinschaftlichen Zusammenlebens machen«, erklärt Nils Wigginghaus. Vor zwei Jahren habe sich eine Steuergruppe gebildet, die mittlerweile gewachsen sei und das Konzept umgesetzt habe.

Begleitet werde die Vesperkirche von Beratungsangeboten und kulturellen Veranstaltungen. Dazu gehören drei Gottesdienste und am Abend kleinere Konzerte und sogar eine Filmvorführung.

Charakter der Kirche bleibt erhalten

Architekt Reinhard Michel, Mitglied der Steuergruppe, baut gerade zusammen mit fünf Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und dem Kongo die bunten Tische für die gemeinsamen Mahlzeiten zusammen, die zwischen den Kirchenbänken schnell integriert werden können, so dass der Charakter der Kirche erhalten bleibt.

15 Tage lang soll dann ab dem 21. Januar dort in der Zeit zwischen 12 und 14 Uhr gespeist werden. Man rechne jeden Tag mit 300 Gästen. Die Essensausgabe erfolge durch Ehrenamtliche an alle, unabhängig von Glauben, Herkunft und sozialem Status. »Die Menüs, die aus der Küche des Katharina-Luther-Hauses kommen, als auch das Programm sind zu 100 Prozent spendenfinanziert«, berichtet Wigginghaus.

Am ersten Tag gebe es Sauerbraten, als Alternative eine vegane Speise (Gemüsebratlinge). Dazu, so verspricht es Stefan Salzmann, werde es für die Menschen spirituelle Impulse geben: »Zum Nachdenken, Innehalten und zum Überlegen.«

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