Vor zehn Jahren fegt ein gewaltiger Orkan durch den Kreis Gütersloh – Zeitzeugen erinnern sich Kyrill hinterlässt Schneise der Verwüstung

Gütersloh (WB). In zwei Monaten geht Harald Horstkötter nach mehr als 40 Jahren bei der Feuerwehr in den Ruhestand. Den 18. Januar 2007 wird der Leiter der Kreisleitstelle niemals vergessen. Die Notrufe gingen im Sekundentakt ein. »Der Orkan Kyrill hat uns die Grenzen aufgezeigt«, erinnert sich der 59-Jährige.

Von Michael Delker
Kettensägen im Dauereinsatz: Die Mitarbeiter des Grünflächenamtes sind lange damit beschäftigt, umgestürzte Bäume in den Gütersloher Parks zu beseitigen.
Kettensägen im Dauereinsatz: Die Mitarbeiter des Grünflächenamtes sind lange damit beschäftigt, umgestürzte Bäume in den Gütersloher Parks zu beseitigen. Foto: Wolfgang Wotke

Am Abend des 18. Januar und in der Nacht hatte die Kreisleitstelle 1147 Einsätze zu koordinieren. »Wie viele Notrufe es waren, lässt sich nicht mehr nachhalten«, sagt Horstkötter. Umgestürzte Bäume, umherfliegende Dachziegel, umgekippte Straßenschilder – nahezu überall in der Stadt kam es zu Schadensfällen.

Eine große Birke stürzt am späten Nachmittag des 18. Januar 2007 auf den Südring in Gütersloh. Foto: Wolfgang Wotke

»Das Schwierige war, die wichtigen von ›belanglosen‹ Notrufen herauszufiltern. Wichtig waren sie, wenn Menschen verletzt wurden«, so der 59-Jährige. Alle Telefone, die in der Kreisleitstelle aufzutreiben waren, kamen zum Einsatz. Um die Verbindung zur Polizei sicherzustellen, war ein Beamter vor Ort, der via Funk Kontakt zu seinen Kollegen hielt. »Die Gerätehäuser wurden ebenfalls personell besetzt, weil manche Bürger auf die Idee kamen, dort vorbeizuschauen, weil sie mit ihren Notrufen nicht durchkamen.«

Zudem sei es für den Rettungsdienst wichtig gewesen zu erfahren, welche Straßen noch passierbar waren. Horstkötter: »Die Verbindungswege zu den Krankenhäusern mussten frei sein.« Die Verler Straße zum Beispiel war stundenlang gesperrt.

Nahezu kompletter Wald weggepustet

Die Wucht von Kyrill traf viele Menschen unvorbereitet. Weil die Bahn ihren Betrieb einstellte, strandeten 400 Fahrgäste im Gütersloher Hauptbahnhof. Das DRK versorgte sie mit belegten Brötchen und Bockwürstchen. Vom Gebäude der Kreispolizeibehörde riss der Orkan 400 Quadratmeter der Dacheindeckung zu Boden. In den Parks und Wäldern war das gesamte Ausmaß erst am nächsten Tag zu sehen.

Im Stadtpark rissen die Böen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 125 Stundenkilometern eine Schneise durch das Gelände. »Das hat uns hart getroffen«, erinnert sich Bernd Winkler, Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen. Auf dem Gelände des Hofes Determeyer in Spexard wurde nahezu ein kompletter Wald weggepustet. Die dortige Amelingstraße war tagelang nicht passierbar und die Telefonleitung gekappt.

»Interessanterweise war es an einigen Stellen entlang der Autobahn besonders schlimm. Einige Eichen- und Buchenbestände sind komplett über die Wupper gegangen, berichtet Detlev Reiprich, der damalige Leiter des für Gütersloh zuständigen Forstbetriebsbezirkes. Er schätzt, dass allein in seinem Zuständigkeitsbereich 6000 bis 8000 Festmeter Holz zu Boden gingen. Um die Menge bewältigen und auch absetzen zu können, sei der »normale« Einschlag in der Folgezeit zurückgefahren worden. Bei der Aufforstung habe das Land die Bauern unterstützt.

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