NRW-Finanzminister will Register für »vergessene Konten« – Fälle auch im Kreis Gütersloh »Guthaben geht niemals auf die Bank über«

Gütersloh  (WB). Mehr als zwei Milliarden Euro sollen deutschlandweit auf Bankkonten schlummern. Deren Besitzer sind in den meisten Fällen verstorben. Auch im Kreis Gütersloh gibt es einige solcher Konten. »Der Anteil ist aber gering«, sagt Jörg Hoffend, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gütersloh-Rietberg.

Von Michael Delker
Deutschlandweit sollen mehr als zwei Milliarden Euro auf »vergessenen Konten« schlummern.
Deutschlandweit sollen mehr als zwei Milliarden Euro auf »vergessenen Konten« schlummern. Foto: dpa

NRW-Finanzminister Norbert-Walter Borjans (SPD) hatte dieses Thema vor einiger Zeit auf die Agenda gerufen. Es könne nicht sein, dass Banken Geld bunkern, das ihnen nicht zusteht, sagte er der Deutschen Presseagentur. Es handle sich um Konten, deren Besitzer oder Erben sich seit Jahren nicht mehr gemeldet hätten.

Borjans will ein zentrales Register für diese Konten einführen. »Wenn Banken erfahren, dass Kunden verstorben sind, sollen sie ermitteln, ob es jemanden gibt, dem das verwaltete Guthaben zusteht«, sagte er. Werden Erben ermittelt, profitieren die Bundesländer über die Erbschaftsteuer.

Sind am Ende keine Erben aufspürbar, erbt das Geld laut Gesetz der Staat. Borjans betonte, dass es ihm nicht um ein Plus für die Staatskasse ginge, sondern darum, dass Erben zu ihrem Recht kommen.

Sparkassen-Chef hält die angestoßene Diskussion für überflüssig

Sparkassen-Chef Jörg Hoffend hält die von Borjans angestoßene Diskussion für überflüssig. Das Guthaben bleibe auf jeden Fall im Eigentum des rechtmäßigen Besitzers. »Wenn sich eine berechtigte Person meldet, steht es selbstverständlich zur Verfügung. Das Geld geht niemals auf die Bank über«, erklärt der Sparkassen-Chef. Auch gebe es keine Verjährungsfrist. Regelmäßige Kontrollen mit Blick auf umsatzlose Konten finden bei der Sparkasse aus Kostengründen nicht statt. Auch gibt es keine Adress-Recherchen. »In der Regel schlummern diese Konten. Wenn ein umsatzloses Konto auffällt, ist das reiner Zufall«, so Hoffend.

Die Volksbank Bielefeld-Gütersloh verwaltet Konten für rund 166.000 Kunden (Stand 31. Dezember 2015) und 2,77 Milliarden Euro Kundeneinlagen. »Im Zuge der ausführlichen Kundenberatung tragen wir in der Regel möglichst zu Lebzeiten des Kunden dafür Sorge, dass eine Person bei Eintritt des Erbfalls vorhanden ist, zum Beispiel durch Vorsorgebankvollmachten«, teilt Volksbank-Sprecher Dennis Will mit.

Falls sich keine Erben meldeten und sich als solche ausweisen würden, sei es üblich, die aus der Kontobeziehung des Kunden zu entnehmenden Verbindungen zu Angehörigen, Bevollmächtigten des Verstorbenen zu nutzen, um den Nachlass zu bearbeiten. »Regelmäßig werden herrenlose Konten der bereits vor mindestens einem Jahr verstorbenen Kunden kontrolliert«, erklärt Will.

Der Betrag auf herrenlosen Konten werde separat verwahrt, bis sich ein Berechtigter melde. Die Auflösung habe für mögliche Erben keine negativen Auswirkungen. Melde sich später der rechtmäßige Erbe, werde das Guthaben voll verzinst ausgezahlt.

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