Kinderärzte aus dem Kreis Gütersloh verschreiben jetzt »Theater auf Rezept« Bühnenkunst ist die beste Medizin

Gütersloh (WB). Theater kann wahre Wunder bewirken. Gegen Erkältung hilft es zwar nicht. Aber eine gute Ergänzung, meint Kinderärztin Dr. Annette Weeg, ist es auf jeden Fall. Im Kreis Gütersloh gibt es jetzt Eintrittskarten für das Kinder- und Jugendprogramm »auf Rezept«.

Von Jan Gruhn
Die Verler Kinderärztin Dr. Annette Weeg (vorne) und ihre Kollegen verschreiben »Theater auf Rezept«. Matthias Irrgang (hinten, von links), Peter Kreutz, Thomas Heye (alle vom Rotary Club) und Kulturdezernent Andreas Kimpel machen es möglich.
Die Verler Kinderärztin Dr. Annette Weeg (vorne) und ihre Kollegen verschreiben »Theater auf Rezept«. Matthias Irrgang (hinten, von links), Peter Kreutz, Thomas Heye (alle vom Rotary Club) und Kulturdezernent Andreas Kimpel machen es möglich. Foto: Jan Gruhn

»Eigentlich ist so ein Rezept ja dafür da, um Infektionen zu beseitigen«, unkt Peter Kreutz, Präsident des Rotary Clubs Gütersloh. »Stattdessen hoffen wir, dass die Menschen infiziert werden.« Da muss Dr. Weeg einhaken: »Rezepte gibt es auch zur Vorsorge.«

Kinder aus dem Kreis Gütersloh, die in den kommenden Wochen zur Vorsorgeuntersuchung U10 (1. und 2. Klasse), U11 (3. und 4. Klasse) oder J1 (zwischen 13 und 14 Jahren) gehen, bekommen von ihren Kinderärzten einen Gutschein für zwei Karten des Stadttheaters Gütersloh. »Theater auf Rezept« heißt die Initiative, die das möglich macht.

Sinnliches Erlebnis statt moderne Medien

»Das ist ein Baustein, die kulturelle Bildung in Gütersloh voranzutreiben«, erklärt Andre­as Kimpel, Kulturdezernent der Stadt. »Der Konsum von Medien wie Handys oder Computern nimmt exponentiell zu«, weiß die Verler Kinderärztin Dr. Annette Weeg. Das sinnliche Erlebnis eines Theaterbesuchs sei da eine gute Alternative. »Vielen Kindern, aber auch ihren Eltern ist das Theater fremd.«

Finanziert werden die Gutscheine, die für Vorstellungen des Kinder- und Jugendprogrammes gelten und in der Vorverkaufsstelle des Theaters im Service Center des Stadtmarketings eingelöst werden können, durch eine 2000-Euro-Spende des Rotary Clubs an die Stiftung »Kind und Jugend« des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte – Träger des 2009 gegründeten Projekts. Prominenter Schirmherr ist Musiker Peter Maffay.

Schon viele Gutscheine verteilt

Zum einen sollen die Gutscheine dafür sorgen, dass Kinder einen Bezug zum Theater bekommen. Zum anderen sollen sie Anreiz sein, die freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Denn die können dabei helfen, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, erklärt Annette Weeg.

Etwa ein Drittel der Gutscheine werden eingelöst, berichtet Katrin Sporer vom Theater Gütersloh aus anderen Städten, die bereits teilgenommen haben. Nachdem Annette Weeg in dieser Woche bereits viele Gutscheine verteilt hat und durchweg positive Reaktionen von Eltern und Kindern erntete, könnte diese Quote in Gütersloh übertroffen werden.

»Wir können auch noch nachfinanzieren«, schmunzelt Rotary-Schatzmeister Matthias Irrgang. »Da sind wir flexibel.« Im Theater Gütersloh würde man sich freuen, wenn statt herbstlicher Grippewelle das Theatervirus um sich greift.

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