Gütersloher Ingo Krüger startet als freier Trau-Redner durch Nicht ganz ohne Ritual

Gütersloh (WB). Wer mit der Kirche nichts mehr am Hut hat, engagiert am Hochzeitstag einen freien Trau-Redner. Ingo Krüger will sich jetzt in diesem boomenden Bereich etablieren.

Von Carsten Borgmeier
Ralf und Simone hören ihre von Ingo Krüger (stehend) gehaltene Hochzeitsrede dort, wo sich das Paar erstmals traf: in der Kantine der Polizeischule Schloß Holte-Stukenbrock.
Ralf und Simone hören ihre von Ingo Krüger (stehend) gehaltene Hochzeitsrede dort, wo sich das Paar erstmals traf: in der Kantine der Polizeischule Schloß Holte-Stukenbrock. Foto: David Roßberg

Er hat Mechaniker gelernt und Maschinenbau studiert. Er war als Kundenbetreuer und Bereichsleiter in einer Softwarefirma tätig. Zudem brachte sich Krüger viele Jahre lang ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein, war sogar mal Landesverbandsleiter des Jugend-Rotkreuzes (JRK). Doch dann kam 2013 der Karriereknick – Ingo Krüger (55) verlor seinen Arbeitsplatz.

Plötzlich arbeitslos

»Mit einer Abfindung in der Tasche durfte ich gehen, wurde plötzlich nicht mehr gebraucht«, berichtet der Ehemann und Vater zweier Kinder (fünf und sieben Jahre alt). »Doch wer nimmt heute noch einen Arbeitslosen jenseits der 50?«, fasst Krüger seine erfolglose Suche nach einem neuen Job zusammen.

Die zündende Idee, es doch mal als freier Trau-Redner zu versuchen, kam aus seinem Freundeskreis: »Es hieß, ich hätte großes Talent im Umgang mit Menschen. Es hieß, ich würde Ruhe ausstrahlen und fremde Menschen recht schnell einschätzen können«, erinnert sich Ingo Krüger an den Startschuss zu seinem neuen Wirken.

Rhetorik-Seminare zahlen sich aus

Als ehemalige Führungskraft konnte der gebürtige Rheinland-Pfälzer auf ein gewisses Fundament bauen, hatte er doch bereits mehrere Rhetorik-Seminare hinter sich und auch an Fortbildungen zum Leadership-Management teilgenommen. »In meinen früheren Positionen musste ich öfters vor Publikum sprechen«, berichtet Krüger, »diese Erfahrungen zahlen sich jetzt natürlich aus.«

Die Hochzeit soll Paaren als schönster Tag im Leben in Erinnerung bleiben. Doch viele Heiratswillige haben der Kirche den Rücken gekehrt; »sie wollen aber nicht auf das schöne Ritual einer Trauung verzichten«, sagt Krüger. Er stellt klar, dass die freie Trau-Zeremonie die rechtlich bindende Eheschließung auf einem Standesamt nicht ersetze, aber ergänze.

Hochzeit in der Kantine

»Vielen Paaren ist es sehr wichtig, sich das Ja-Wort an einem Ort zu geben, der für beide von zentraler Bedeutung ist«, erklärt Ingo Krüger. So hielt der 55-Jährige neulich seine Trau-Rede in der Kantine der Polizeischule in Schloß Holte-Stukenbrock.

Wie bitte? Eine Hochzeit in der Kantine? Für Simone (34) und Ralf (47) sei gar kein anderer Ort in Frage gekommen, denn dort seien sich die beiden Beamten und Diensthundeführer das erste Mal über den Weg gelaufen, berichtet Ingo Krüger. »Es war dem Paar wichtig, genau dort getraut zu werden.« Kein Problem für den freien Trau-Redner Ingo Krüger.

Etwa drei Mal trifft sich Krüger im Vorfeld einer Hochzeit mit seinen Auftraggebern, um sämtliche Details der Feier abzuklären. »Zum schönsten Tag im Leben eines Hochzeitspaares muss einfach alles stimmen«, führt Krüger aus, »mir ist es eine große Freude, wenn sich das Paar in der Rede wiederfindet. Meine Worte sollen berühren und dazu beitragen, den wichtigsten Tag im Leben eines Liebespaares unvergesslich zu machen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.