Unfall-Schienenbus wird in Neustrelitz repariert ­– Panne beim Verladen Mit dem Tieflader in die Werkstatt

Gütersloh (WB). Nach dem Zugunglück am Pfingstsonntag an einem unbeschrankten Bahnübergang im Ortsteil Blankenhagen, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen sind, ist am Donnerstag der demolierte Schienenbus-Steuerwagen für den Abtransport in eine Werkstatt verladen worden. Doch dabei hat es eine Panne gegeben.

Von Wolfgang Wotke
Schwere Schäden an der Front des Schienenbusses. Die Reparatur in einer Spezialwerkstatt soll rund 30 000 Euro kosten.
Schwere Schäden an der Front des Schienenbusses. Die Reparatur in einer Spezialwerkstatt soll rund 30 000 Euro kosten. Foto: Wolfgang Wotke

14 Tonnen schwer, 16,20 Meter lang, 3,20 Meter breit: der 52 Jahre alte Steuerwagen sollte mit einer elektrischen Seilwinde auf den Tieflader einer Hamburger Spedition gezogen werden, doch die Winde streikte plötzlich.

Lkw-Fahrer Tobias Schulze (36), der mehrere Stunden im Stau gestanden hatte, musste am Umschlagbahnhof der TWE in Gütersloh-Spexard plötzlich passen: »Irgendetwas stimmt mit der Hydraulik nicht. Sie bekommt keinen elektrischen Impuls mehr.«

Kurzerhand musste ein Abschleppwagen aus Bielefeld angefordert werden, der dann dabei half, die beschädigte Osning-Bahn zu verfrachten. Eine schweißtreibende Arbeit.

Transport nach Neustrelitz

Seit dem schweren Unfall war der Schienenbus abgestellt. Per Tieflader wird er heute in die 450 Kilometer entfernte Reparaturwerkstatt nach Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) gebracht. »Die Netinera-Werke dort sind auf derartige Reparaturen spezialisiert«, berichtete Verkehrsingenieur Stephan Schröder (42), Vorstandsmitglied des Fördervereins Eisenbahn Tradition.

Der Straßentransport, für den etliche Sondergenehmigungen eingeholt werden mussten, sei notwendig geworden, weil der Wagen aufgrund der Schäden keine längeren Strecken auf der Schiene zurücklegen könne.

Für die Reparatur, die mehrere Monate dauern könne, als auch für den Transport rechnet Schröder mit rund 30 000 Euro Kosten. Immerhin wurden bei dem Unfall nicht nur die Pufferverkleidungen stark in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch Kupplung, Bremsen, Luftleitungen und Achse.

Mutter und Vater starben

Am 15. Mai war der Ausflugstriebwagen mit einem Ford Focus zusammengestoßen. Dabei sind zwei von drei Familienmitgliedern in dem Auto ums Leben gekommen. Der mit 36 Fahrgästen besetzte Zug erfasste das Auto an einem Bahnübergang in Blankenhagen.

In dem Fahrzeug saßen ein 24-Jähriger mit seinen Eltern. Der Vater (45) und die Mutter (43) waren auf der Stelle tot; ihr Sohn, der den Ford fuhr, hatte schwer verletzt überlebt. Zugfahrgäste und -personal blieben unverletzt.

Das rote Blinklicht, das an dem unbeschrankten Bahnübergang vor nahenden Zügen warnte, habe zum Unfallzeitpunkt funktioniert, teilte die Polizei mit, die ein Ermittlungsverfahren gegen den 24-Jährigen eingeleitet hat. In seinen Vernehmungen sagte er, dass er weder das Warnlicht noch der akustische Signalton wahrgenommen habe. Beides habe nicht funktioniert.

Stephan Schröder: »Das ist eine Falschaussage. Wir wissen genau, dass die Signale eingeschaltet waten.« Zum Stand der Ermittlungen erklärte Polizeisprecherin Corinna Koptik: »Die Sache ist noch nicht abgeschlossen.«

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