Norwegischer Bassist Arild Andersen tritt in der Reihe »European Jazz Legends« auf Veteran begeistert Jazz-Fans

Gütersloh (WB). In der Konzertreihe »European Jazz Legends« ist am Freitagabend mit dem norwegischen Bassisten Arild Andersen ein weiterer Veteran der europäischen Jazzszene im Gütersloher Theater aufgetreten. Die staubfreie Musik seines »demokratischen« Trios war aber alles andere als von gestern.

Von Collin Klostermeier
Früher hatte Bassist Arild Andersen viele Idole. Heute dient er selbst dem Jazz-Nachwuchs als Vorbild.
Früher hatte Bassist Arild Andersen viele Idole. Heute dient er selbst dem Jazz-Nachwuchs als Vorbild. Foto: Collin Klostermeier

Arild Andersen betrat im Jahr 1968 als Mitglied von Jan Garbareks Band bei den Berliner Jazztagen die europäische Bühne, nachdem er zuvor im heimischen Oslo bereits zahlreiche amerikanische Musiker, darunter Stars wie Dexter Gordon und Johnny Griffin, begleitet hatte.

»Ich habe in dieser Zeit stets mit Musikern zusammen gespielt, die besser waren als ich, und dadurch viel gelernt«, erinnerte sich der 70-Jährige Bassist im obligatorischen Pausen-Interview mit Moderator Götz Bühler.

Talentierte Landsleute ausgesucht

Schon seit langer Zeit dient er aber selbst dem Jazz-Nachwuchs als Vorbild und hatte sich konsequenterweise für sein Trio-Konzert mit dem Pianisten Helge Lien und dem Schlagzeuger Gard Nilssen zwei junge, talentierte Landsleute ausgesucht.

Auf der Bühne geht es dem erfahrenen Arild Andersen, wie er im Interview deutlich betonte, vor allem ums »Interplay«, um das Zusammenspiel in der Gruppe. »Man muss genauso viel zuhören, wie man spielt«, erklärte der Norweger, der sich trotz seiner Prominenz gerne in den Dienst der Gruppe stellte und sich von seinen jungen Mitstreitern an diesem Abend genussvoll inspirieren ließ.

Das Konzert begann mit einem sphärisch-verstärkten, gestrichenen Bass-Solo, das Arild Andersen aufnahm und im Hintergrund als Loop weiterlaufen ließ, als er den Bogen längst zur Seite gelegt hatte. Bedächtig tasteten sich nun auch Klavier und Schlagzeug voran, während der Bandleader seinem neuen, mit einem Löwenkopf verzierten Kontrabass den gewohnt vollen, warmen Ton entlockte.

Trio haut mächtig auf die Pauke

Und siehe da, obwohl das Konzert erst vor wenigen Minuten angefangen hatte, war sie schon bis in den letzten Winkel des Saals spürbar: die typische, getragene Atmosphäre, die so viele Jazzgruppen aus Skandinavien auszeichnet.

Aber die drei Norweger konnten auch anders: Bei »Basswave« und »Outhouse« haute das Trio mächtig auf die Pauke. Gard Nilssen ließ nun an den Drums seiner perkussiven Ader freien Lauf, während sein Kollege Helge Lien am Klavier enorme Virtuosität aufblitzen ließ.

Dazwischen erdete der Bandleader diese nunmehr ziemlich heiße Mischung mit seinem eleganten Tieftöner und sorgte dafür, dass das demokratische »Interplay« auch in dieser Ekstase nicht unter die Räder kam.

Nach knapp zwei Stunden, zwei Zugaben und reichlich Applaus blieb das Fazit, erneut ein herausragendes Konzert erlebt zu haben. Die »European Jazz Legends« nehmen in diesem Jahr jedenfalls mächtig Fahrt auf.

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