Weihnachts-Doppelmord-Prozess: LKA-Expertin und Gerichtsmediziner erläutern die Spurenlage DNA-Spuren mit unvollständigen Merkmalen

Gütersloh/Bielefeld (WB). Es geht um Y-Chromosome, um Mischspuren und letztendlich um unvollständige DNA-Merkmale. Was die Spezialistin Dr. Katja Kiel vom Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf am zweiten Prozesstag um den Gütersloher Doppelmord berichtet hat, lässt die Ver­teidiger des Angeklagten Jens Sch. (30) hoffen.

Von Wolfgang Wotke
Die Nebenklägerin Sibylle G. und ihr Anwalt Andreas Trylla   haben auch gestern den Prozess aufmerksam verfolgt.
Die Nebenklägerin Sibylle G. und ihr Anwalt Andreas Trylla haben auch gestern den Prozess aufmerksam verfolgt. Foto: Wolfgang Wotke

»Für mich sind damit die gesicherten DNA-Spuren keine Indi­zien mehr«, resümierte Strafverteidiger Dr. Carsten Ernst nach den Ausführungen von Katja Kiel am Donnerstag. Die hatte nämlich erklärt, dass es sich bei allen genetischen Spuren, die am Tatort isoliert wurden, um »Spurenmaterial an der Schwelle der Nachweisbarkeit« handelt. Diese Spuren enthielten zwar so genannte Y-Chromosome, die dem Tatverdächtigen zugeordnet werden könnten, diese würden jedoch unvollständige Merkmale aufweisen. »Wissenschaftlich gesehen können wir es nicht beweisen, dass sie tatsächlich von Jens Sch. stammen«, betonte sie. Auch eine prozentuale Wahrscheinlichkeit wollte die DNA-Expertin nicht wagen. An einer Weinflasche, an einem Trinkglas, an den Krallen der Hinterläufe des getöteten Hundes, an einem Fingernagel, an der Wange und einer Jacke des weiblichen Opfers sowie an Werkzeugen waren diese Mischspuren entdeckt worden. Dr. Katja Kiel: »Das alles heißt aber auch nicht, dass Jens Sch. nicht am Tatort war.«

Stichkanäle bis zu zwölf Zentimeter tief

Zuvor erläuterte Dr. Ronald Schulz, Facharzt für Rechtsmedizin an der Universität Münster, die Todesumstände der an Heiligabend 2013 ermordeten Dr. Helgard G. (74) und Hartmut S. (77). Einige Stichkanäle seien bis zu zwölf Zentimeter tief gewesen. »Das erforderte sehr viel Kraft und Energie«, meinte Schulz. Auf die Frage von Richter Wolfgang Korte, ob das nur durch einen kräftigen Mann hätte geschehen können, gab Dr. Ronald Schulz eine klare Antwort: »Nein, das hätte jede Person schaffen können.« Während Dr. Helgard G. binnen weniger Minuten verstorben ist, habe Hartmut S. noch einige Zeit gelebt.

Schulz, der die Obduktion damals persönlich vornahm, ist sich sicher: »Er hat zunächst einen Stich in den Magen erhalten, der sehr schmerzhaft war. Dadurch war er handlungsunfähig, fiel in die Seitenlage zu Boden. Erst dann fügte der Täter ihm die weiteren Stichverletzungen zu.« Wie lange der Todeskampf von Hartmut S. gedauert hat, konnte der Rechtsmediziner nicht sagen.

Dass während der Messerattacke gegen die Ärztin ein Elektroschocker verwendet worden sein könnte (eine Hautrötung im Nacken deutete zunächst darauf hin), wollte Schulz nicht ausschließen. »Es könnte sich aber dabei auch um einen Rückenabdruck eines Messers handeln.« Auch den Todeszeitpunkt vermag er nicht zu bestimmen. Die Leichen seien stark abgekühlt gewesen. »Wenn wir optimale Umstände gehabt hätten, bleibt immer noch ein Zeitfenster von 5, 6 Stunden.«

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