Thomas Bellut verteidigt Wiso-Beitrag, räumt aber eine gewisse Oberflächlichkeit in der Recherche ein Intendant weist Wertkreis-Kritik zurück

Gütersloh /Mainz (WB). Der Wertkreis Gütersloh vernachlässigt die Integration behinderter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt und liefert sie der Industrie als billige Arbeitskräfte aus. An diesem Tenor eines Beitrages in der Wirtschaftssendung »Wiso« hat der Fernsehrat des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) nichts auszusetzen.

Von Stephan Rechlin
»Es geht um die Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung, nicht um den Wertkreis Gütersloh.« ZDF-Intendant  Dr. Thomas Bellut weist eine förmliche Programmbeschwerde des Wertkreises gegen einen Wiso-Beitrag zurück.
»Es geht um die Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung, nicht um den Wertkreis Gütersloh.« ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut weist eine förmliche Programmbeschwerde des Wertkreises gegen einen Wiso-Beitrag zurück. Foto: dpa

Eine Beschwerde des Wertkreises gegen diesen Beitrag weist der Fernsehrat zurück. Er kann darin keinen Verstoß gegen die Rechtsvorschriften des ZDF erkennen. In einem Schreiben an den Wertkreis erläutert ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut, wie das aus 77 Mitgliedern zusammengesetzte Gremium zu dieser Einschätzung gekommen ist.

Demzufolge sei die Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung in Deutschland Ziel und Thema des Beitrags  gewesen, nicht der Wertkreis Gütersloh als Einrichtung. Lediglich »die fehlende gesetzliche Umsetzung der UN-Konvention« sei an einem Beispiel gezeigt worden. »Eine umfassende Darstellung der genauen Bedingungen und Arbeitsfelder der Einrichtung« sei für eine korrekte Darstellung der Kritik nicht zwingend notwendig gewesen.

»Diese Einschätzung der fehlerhaften Darstellung müssen wir als Unternehmen akzeptieren«

In seiner Erklärung schränkt Bellut aber auch ein: »Ein Hinweis auf die Gemeinnützigkeit der Einrichtung, die verpflichtet ist, mindestens 70 Prozent des Jahresergebnisses an die Mitarbeiter auszuschütten, hätte dem Zuschauer bei der besseren Einordnung der Kritik aber sicher geholfen.« Gegenüber der Redaktion äußerte der Fernsehrat die Erwartung, bei passender Gelegenheit auch andere Aspekte des Themas zu beleuchten.

»Diese Einschätzung der fehlerhaften Darstellung müssen wir als Unternehmen akzeptieren. Gleichwohl teilen wir sie nicht«, stellt der Wertkreis in einer Stellungnahme fest. Trotz Aussichten auf Erfolg habe sich der Wertkreis entschlossen, den weiteren Klageweg nicht zu beschreiten. Kosten und  zeitlicher Aufwand stünden in keinem Verhältnis zum möglichen Ertrag.

Der Wertkreis kündigt außerdem an, die gesetzlichen Grundlagen seiner Arbeit in der Zukunft bekannter zu machen. Dazu seien im kommenden Jahr Informationsveranstaltungen geplant und die Herausgabe von Informationsmaterialien. Der Wertkreis hoffe, damit eine breitere Öffentlichkeit besser über seine Arbeit zu informieren.

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