Erstmals meldet Stadt Gütersloh »erhebliche Bedenken« gegen das Projekt in Rietberg an Gutachter: City-Outlet saugt 1,4 Prozent Kaufkraft ab

Gütersloh (WB). Mit einem Mal hegt auch die Stadt Gütersloh »erhebliche Bedenken« gegen das in Rietberg geplante »City Outlet Center«. Noch im August sah Planungsamtsleiter Dr. Michael Zirbel keinen Grund für große Unruhe.

Von Stephan Rechlin
Auf 1,4 Prozent oder 6,8 Millionen Euro schätzt das Institut Ecostra den Kaufkraftabfluss ein, den die Gütersloher Innenstadt durch den Bau eines City-Outlet-Centers in Rietberg verkraften muss.
Auf 1,4 Prozent oder 6,8 Millionen Euro schätzt das Institut Ecostra den Kaufkraftabfluss ein, den die Gütersloher Innenstadt durch den Bau eines City-Outlet-Centers in Rietberg verkraften muss. Foto: Carsten Borgmeier

Bei einem Einzugsradius von einer Stunde Fahrzeit sei Gütersloh »in eher geringem Ausmaß betroffen.« Diese Ansicht ist in den vergangenen zwei Monaten offenbar grundlegend überarbeitet worden. 

Nach einer Potenzial-Analyse des Wiesbadener Unternehmens Ecostra im Auftrag der Stadt Rietberg liegt Gütersloh im näheren Einzugsgebiet des City-Outlets. Für diese Zone kalkulieren die Gutachter  eine Kaufkraftabschöpfung von 1,4 Prozent genannt. Bei einem Kaufkraftpotenzial von 494,2 Millionen Euro entspricht das einem Abfluss von 6,8 Millionen Euro. Diese Zahlen lassen laut Stellungnahme der Stadt  zwar »keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Einzelhandelsstruktur von Gütersloh erkennen.« Dennoch ließen sie aber einen »hohen Kaufkraftabfluss vermuten«.

Woher dieser Sinneswandel kommt und wer zu ihm beigetragen hat, ist offen. Der Gütersloher Einzelhandelsverband war es jedenfalls nicht. Dessen Chef Rainer Schorcht hatte noch jüngst im Wirtschaftsforum bei Bertelsmann erklärt, dass ihn das in Rietberg geplante Outlet-Center »nicht bange« mache. Allein das Internet sorge bereits für höchste Preistransparenz.

Die entspannte Einschätzung Zirbels stieß vor allem in der UWG-Ratsfraktion auf Bedenken. Das in Rietberg geplante Outlet komme in den Segmenten Mode und Sport zweimal auf die Fläche des am Kolbeplatz eröffneten Sporthauses Finke. Es sei gelogen, wenn das keine Auswirkungen haben werde.

In der neuen Stellungnahme der Stadt wird das nicht so drastisch formuliert. Nach Jahren intensiver Debatten und großem privaten Engagement ist der Lückenschluss am Kolbeplatz gelungen, heißt es darin. Außer dem Sporthaus Finke mit rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche hätten sich dort mehrere Bekleidungsgeschäfte angesiedelt.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der Gütersloher Ausgabe des WESTFALEN-BLATTES.

Kommentare

Mit zweierlei Maß

Verstehe ich das richtig? Die Stadt Gütersloh meldet erhebliche Bedenken gegen das geplante COC in Rietberg an? Die Verantwortlichen scheinen sehr vergesslich zu sein. Ihnen waren die Bedenken der Nachbarkommunen zur Porta-Ansiedlung seinerzeit doch auch mehr als egal. Aber das war ja auch etwas anderes............

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