»Spexarder Krug«: Eigentümer Christiane und Dirk Bordihn wollen Discounter errichten Letztes Pils wird 2016 gezapft

Gütersloh (WB). Der seit mehr als 100 Jahren markant an der Hauptkreuzung der Verler Straße liegende »Spexarder Krug« soll nach Plänen der Eigentümerfamilie Bordihn Ende 2016 einem Supermarkt weichen. 

Foto: Carsten Borgmeier

Eine entsprechende Bauvoranfrage liegt nach Angaben von Dirk Bordihn der Gütersloher Stadtverwaltung vor, im Bau- und Planungsausschuss berichtete Stadtplaner Dr. Michael Zirbel gestern Abend der Politik von dem Projekt.

»Es ist nach unserer Überzeugung nicht mehr wirtschaftlich, den Gasthof zu sanieren«, sagt Christiane Bordihn (46), die mit ihrem Mann Dirk (47) den Hotel- und Restaurantbetrieb mit 18 Zimmern und Biergarten seit März 2003 in vierter Generation führt. Bis zur geplanten Schließung Ende 2016 werde der »Spexarder Krug« aber fortgeführt wie bisher, stellen die Eheleute klar.

Supermarkt-Neubau

Die Pläne sind ihren Angaben nach bereits sehr konkret. So liege zudem ein Gutachten über die verkehrliche Anbindung eines Neubaus zur Verler Straße bereits vor. Die Stadtverwaltung stehe der Baumaßnahme positiv gegenüber. »Wir hatten bereits im vergangenen Jahr mehrere Anfragen für unser Grundstück«, berichten die Bordihns, die jetzt auf eine positive Entscheidung hoffen und zügig mit dem Neubau beginnen wollen.

Die ersten Gerüchte über einen Verkauf oder eine Nutzungsänderung hatten im Januar für Gesprächsstoff in Spexard gesorgt. Auf 6000 Quadratmeter sollen die Gaststätte mit Saal und das Wohnhaus der Familie Bordihn abgerissen werden. »Wir treten selbst als Bauherr auf«, berichtet Christiane Bordihn, die sich schweren Herzens von der eigenen Gastronomie trennen kann. Der Schritt sei aber unausweichlich. Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich zu stemmen, ohne anschließend höhere Erträge zu erzielen, ergebe keinen Sinn.

Historie

Ein Blick in die Historie, die der Spexarder Heimatfreund Markus Schumacher zusammengetragen hat: »Das 1874 von der Familie Johannbarkey als Kohlen- und Kolonialwarenhandlung errichtete Fachwerkgebäude wurde mehrfach umgebaut und in den 1930-er Jahren um einen Saal erweitert«, berichtet Schumacher, »die erste Schankgenehmigung stammt von 1915. Die Gaststätte spielte und spielt für das heimische Leben eine große Rolle«, sagt Schumacher, »Vereine wurden dort gegründet und feierten ihre Feste und Brautleute ihre Hochzeit.«

Der Saal habe 1946 als Notunterkunft für Flüchtlinge gedient und nach dem Zweiten Weltkrieg seien dort Gottesdienste gefeiert worden. Dem Sportverein Spexard diene es noch immer als Vereinslokal. »Die Tradition liegt uns am Herzen. Der Schritt ist uns nach langen Überlegungen sehr schwer gefallen«, sagt die gelernte Köchin Christiane Bordihn, die sich gut vorstellen kann, mit ihrem Gatten weiter in der Gastronomie zu arbeiten. Das Kneipensterben in Deutschland mache auch in Spexard nicht halt.

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