Veranstaltung auf dem Dreiecksplatz bietet bunten Stilmix Auftakt zur Woche der kleinen Künste

Gütersloh (WB). 21 Uhr: Während in Oelde gerade die Welt untergeht, ist sie in Gütersloh völlig in Ordnung. Nur ein paar Blitze sind am Himmel zu sehen. Das schwere Unwetter, das am Montagabend die Region heimsucht, macht so lange einen Bogen um den Dreiecksplatz, bis die erste Veranstaltung im Rahmen der Woche der kleinen Künste zu Ende gegangen ist. Glück gehabt!

Von Stefan Lind
Es ist der erste Abend der Woche der kleinen Künste, und der Dreiecksplatz ist voll, richtig voll. Vor so einem Publikum treten die Musiker, die nach Gütersloh gekommen sind, gern auf – hier Sängerin Lisa Zwinzscher und  Geigerin Alina Gropper von »Friling«.
Es ist der erste Abend der Woche der kleinen Künste, und der Dreiecksplatz ist voll, richtig voll. Vor so einem Publikum treten die Musiker, die nach Gütersloh gekommen sind, gern auf – hier Sängerin Lisa Zwinzscher und Geigerin Alina Gropper von »Friling«. Foto: Stefan Lind

Es sei den Veranstaltern der Kulturgemeinschaft von Herzen gegönnt, dass die riesige Menschenmenge nicht vor einem Platzregen fliehen muss. Denn die zwei Acts, die da nacheinander die Bühne bevölkern, beweisen wieder einmal, wie sorgfältig die Macher der »Umsonst-und-draußen«-Woche ihr Programm zusammenstellen. Auch wenn die Künstler (noch) nicht so bekannt sind, es lohnt sich, sich auf ihre Musik einzulassen. Das will nicht jeder Besucher, wie das unüberhörbare Gemurmel im Hintergrund zeigt, aber bei einem solchen Event ist jeder willkommen, der durch seine Anwesenheit Interesse signalisiert.

Direkt vor der Bühne wird zwischendurch auch getanzt, denn die Musik ist danach. »Friling« aus Dresden machen den Anfang mit ihrem fröhlichen Swing aus vergangenen Zeiten, den sie mühelos ein wenig fürs Hier und Jetzt aufpeppen. »Friling Wants You To Dance« heißt dann passend eine der Eigenkompositionen des Quintetts, das aber auch mit pfiffigen Coverversionen aufwarten kann, von »Caravan« über »Whatever Lola Wants« und »Istanbul (not Con­stantinople)« bis »Bei mir bist du schoen«. Das bringt gute Laune auf den Platz, auch wenn die Truppe ein wenig leise ausgesteuert ist und ihr ein Schlagzeug für den richtigen »Punch« fehlt.

Zwar propagiert die Gütersloher Veranstaltungsreihe die »kleinen Künste«, aber angesichts der Dimensionen, die dieses Projekt inzwischen angenommen hat, erscheinen die Bühne und das weite Rund des Platzes für eine Musikgruppe wie »Friling« mit ihrer luftig-leichten In­strumentation fast eine Nummer zu groß. Wie wäre es mit einem Wiedersehen im kleineren Rahmen?

Mit solchen Gedanken muss sich Gaby Moreno nicht beschäftigen, sie weiß ein rockendes Trio hinter sich, ihre Bühnenpräsenz ist eindrucksvoll, und jetzt tönt die Musik auch gleich viel lauter über die Reihen der Zuhörer. Im Programmheft steht »GT« in Klammern hinter ihrem Namen, was allerdings nicht für Gütersloh steht (wie so mancher Besucher dachte), sondern für Guatemala. Doch wer befürchtet hatte, sich mit der Folklore Zentralamerikas beschäftigen zu müssen, wird rasch eines Besseren belehrt.

Zwar singt Gaby Moreno zu Beginn ausschließlich spanisch (später wird sie immer wieder englischsprachige Titel einschieben), doch stilistisch bewegt sie sich auf einem breiten Feld, das neben Folk auch Country-, Latin- und Popklänge zulässt. Ihr Kontakt mit dem (tanzenden) Publikum ist ebenso spontan wie herzlich, und dass sie ein Profi durch und durch ist, beweist sie, als sie zum Schluss ihres Sets ein paar knallige Bluesrocknummern mit jaulenden Gitarrensoli einschiebt. Das funktioniert immer bei Festivals, und so auch auf dem Dreiecksplatz. Wie schön aber, dass die Zugaben dann so ganz anders geraten, unter anderem mit einem entspannten Bossa Nova nur zur akustischen Gitarre und einer eindringlichen Version der Peggy-Lee-Nummer »Fever«. Große Klasse!

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