DFB-Schiedsrichterboss und Konzertpianist Herbert Fandel spricht über Kompetenz und Erfahrung Thema Blatter ist tabu

Gütersloh (WB). Er hat eine einzigartige Schiedsrichterkarriere hinter sich:  vier Mal Referee des Jahres, hat Pokal-,  UEFA-Cup- und Champions League-Finals geleitet. Mittlerweile sitzt Herbert Fandel (51) in der DFB- und UEFA-Schiedsrichterkommission. Wer weiß schon, dass der Ex-Schiri hauptberuflich Pianist und  Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm ist? Am Montag hat er als Gastredner in der Sparkasse Gütersloh referiert.  

Von Wolfgang Wotke
Herbert Fandel führt ein Leben zwischen klassischer Musik und professionellem Spitzenfußball. Konzertpianist, Klavierpädagoge und Schiedsrichter sind seine Berufungen. Am Montagabend hat der 51-Jährige in der Sparkasse Gütersloh referiert.
Herbert Fandel führt ein Leben zwischen klassischer Musik und professionellem Spitzenfußball. Konzertpianist, Klavierpädagoge und Schiedsrichter sind seine Berufungen. Am Montagabend hat der 51-Jährige in der Sparkasse Gütersloh referiert. Foto: Wolfgang Wotke

»Kompetenz, Erfahrung, Persönlichkeit und Akzeptanz – sicher entscheiden unter Druck«,  lautete der Titel des Vortrags. Herbert Fandel ist sich sicher: »Den Erfolg und die Persönlichkeit muss man sich hart erarbeiten, sie sind nicht zu ersetzen.« Hinzu komme noch die Akzeptanz aller Beteiligten. Nur so sei es möglich, den extremen Druck im Alltag und besonders im Berufsleben in Höchstleistung umzuwandeln.

Mit einer provokanten Aussage begann er  seine Ausführungen: »Schiedsrichter lädt man doch nicht ein. Ich bin überrascht, dass ich hier mit so viel Applaus empfangen werde.« Er plauderte aus Erfahrung. Das Managen eines Geschäftes um Sieg und Niederlage, bei dem es um Millionen geht, werde Samstag für Samstag einem Amateur anvertraut. Mache er als Schiri alles gut, sei dies selbstverständlich. Bei einer Fehlentscheidung werde er aber zur Zielscheibe von Spielern, Trainern, Funktionären, Medien und vor allem von den Fans.

95 Prozent Fingerspitzengefühl

Rund 200 schnelle Entscheidungen musste er früher pro Spiel fällen, die auch nicht – wie oft im Geschäftsleben – auf spätere Meetings verschoben werden könnten. Fünf Prozent davon  basierten  auf Kenntnis der Fifa-Regeln, die restlichen 95 Prozent auf Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Führungsfähigkeit. Das seien auch die Merkmale, die einen erfolgreichen Manager ausmachten, sagte Fandel.

Viele hatten gehofft, dass sich der deutsche Schiedsrichter-Boss am Montagabend an den Flügel setzen würde, um den vielen Zuhörern eine Kostprobe seiner Musikalität als Pianist zu geben. Zum einen fehlte das Instument, und zum anderen streubte er sich: »Nein, ich trete schon lange nicht mehr öffentlich auf.«

Fan des Frauenfußballs

Im übrigen wäre Herbert Fandel auch ein guter Diplomat geworden. Auf die Frage, ob er denn seinen kritischen Blick in den vergangen Wochen  auf Zürich, sprich FIFA-Präsident Sepp Blatter, geworfen habe, meinte er mit einem verschmitzten Lächeln: »Ich war zu diesem Zeitpunkt in Urlaub.«

Keine Chance, ihm einen Kommentar zum FIFA-Skandal zu entlocken. Dafür plauderte er vor seinem Auftritt mit den Sparkassen-Chefs Jörg Hoffend und Kay Klingsiek über die Frauen-Fußball-WM (»Ich schaue mir  fast alle Spiele an«), äußerte sich zum Viedeo-Beweis im Fußball (»Ich sehe da momentan keinen Fortschritt, der dem Fußball helfen könnte«) und machte sich Sorgen um den Schiedsrichter-Nachwuchs (»Keine Probleme an der Basis, aber wir sehen, was in den unteren Klassen los ist«).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.