Säugling ausgesetzt: Kripo ermittelt gegen Mutter wegen versuchter Tötung Hier wäre fast ein Baby gestorben

Gütersloh (WB). Ob der Mutter bewusst war, dass »Besser leben« auf der roten Plastiktüte steht, in die sie ihr Neugeborenes gepackt hat?

Von Christian Althoff
Hinter der Absperrung im Gebüsch direkt an der Steinmauer wurde der ausgesetzte Säugling gefunden.
Hinter der Absperrung im Gebüsch direkt an der Steinmauer wurde der ausgesetzte Säugling gefunden. Foto: Christian Althoff

Nach dem Fund eines Säuglings am Sonntagabend auf dem Parkplatz des Gütersloher Media-Markts wird jetzt wegen versuchter Tötung gegen die unbekannte Frau ermittelt. »Nach Auskunft der Ärzte hätte der bereits unterkühlte Säugling die Nacht wohl nicht überlebt«, sagte Staatsanwalt Veit Walter am Donnerstag. Die Wahl des Ablageortes lasse befürchten, dass die Mutter nicht beabsichtigt habe, dass ihr Kind gefunden und gerettet werde.

Nur ein Zufall rettete das Baby

Es war ein Zufall, der dem wenige Stunden alten Jungen das Leben rettete. Eine Familie, deren Grundstück durch eine Mauer vom Media-Markt-Parkplatz getrennt ist, kam am Sonntag gegen 19 Uhr von einem ausgiebigen Spaziergang zurück. Die Kinder spielten noch im Garten und hörten ein Wimmern, das die Eltern zuerst einem Kätzchen zuschrieben.

Als das Weinen nicht aufhörte, sah die Mutter über die Mauer und entdeckte hinter einem Busch versteckt eine rote Plastiktüte. Die Frau lief auf den verwaisten Parkplatz, und als sie vor dem Bündel stand, bewegte es sich. Jürgen Kollien, Leiter der Ermittlungskommission »Meinrad«: »Die Frau alarmierte die Feuerwehr, die das Baby aus der Tüte holte und sich um den Jungen kümmerte.«

Der Säugling war in eine Tüte eingewickelt

Der Säugling sei am Sonntag voll ausgetragen zur Welt gekommen, sagte der Kriminalbeamte. Er habe 2500 Gramm gewogen und sich in den letzten Tagen in der Kinderklinik »ausgesprochen gut entwickelt« Das Baby steckte  in einer »Rewe«-Tüte, in der sich außerdem noch drei leere Plastiktüten befanden. Sie haben Aufdrucke von »Karstadt«, »Küstengold« und »Mix Markt« – einer Kette, die vor allem osteuropäische Lebensmittel verkauft und alleine in Ostwestfalen-Lippe acht Filialen hat, darunter eine in Gütersloh.

Während sich das Jugendamt nun um den Jungen kümmert, sucht die Polizei nach der Mutter. Jürgen Kollien: »Der Parkplatz wird relativ häufig von Fußgängern und Radfahrern überquert. Es könnte also jemanden geben, dem am Sonntag irgendetwas aufgefallen ist.« Zwar spreche viel dafür, dass der Säugling von einer Frau abgelegt worden sei, aber natürlich komme auch ein Mann in Frage, sagte Kollien.

Die Polizei hofft auf weitere Hinweise

Staatsanwalt Veit Walter: »Die Mutter könnte in ihrem privaten oder beruflichen Umfeld aufgefallen sein.« Man müsse sich von der verbreiteten Vorstellung trennen, Babys würden meistens von jungen Erstgebärenden ausgesetzt, sagte der Staatsanwalt. »Das ist nicht so. Die Frau kann älter sein und schon mehrere Kinder haben.«

Es könne zum Beispiel verdächtig sein, wenn eine Frau in den letzten Monaten ihre sozialen Kontakte abgebrochen habe, nicht mehr zum Sport gegangen sei und körperliche Veränderungen auf eine Krankheit geschoben habe – um die Schwangerschaft zu verheimlichen.

Bis gestern sind bei der Ermittlungskommission 14 Hinweise auf Frauen eingegangen. »Darunter einige erfolgsversprechende«, sagte Jürgen Kollien. Dennoch bittet er jeden, der einen noch so vagen Verdacht hat oder andere Hinweise geben kann, sich unter 05241-8690 oder 0521-5450 zu melden.

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