In Gütersloh öffnet am 13. Juni der erste behindertengerechte Kletterpark in OWL Ein Hochseilgarten sogar für Rollstuhlfahrer

Gütersloh (WB). Inklusion ist nicht nur ein Ziel  in Schule und Berufsleben, sondern auch im Sport und in der Freizeit. In Gütersloh wird am 13. Juni der erste  inklusive Hochseilgarten in OWL  eröffnet. Er ist sogar für Rollstuhlfahrer geeignet.

Von Bernd Bexte
Inklusion mal andersherum: Carina Pischke (28) ist eigentlich nicht auf einen Rollstuhl angewiesen. Im  Hochseilgarten testet sie die Fahrt über  Schienen in fünf Metern Höhe, Thomas Woesthoff sichert sie ab.
Inklusion mal andersherum: Carina Pischke (28) ist eigentlich nicht auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Hochseilgarten testet sie die Fahrt über Schienen in fünf Metern Höhe, Thomas Woesthoff sichert sie ab. Foto: Carsten Borgmeier

Den Besuchern  des Gütersloher  Kiebitzhofes bietet sich in diesen Tagen ein ungewohntes Bild. Im Schatten mächtiger Baumkronen erklimmen auf dem Gelände des Biohofs, der  zur Behinderteneinrichtung  Wertkreis gehört, Rollstuhlfahrer den neuen Klettergarten »Grenzenlos«. »Dieser Hochseilgarten ist aber für alle Menschen geöffnet, egal ob sie eine Einschränkung haben oder nicht«, betont Andrea Vahrenhorst vom Sozialpädagogischen Institut Gütersloh (SPI).

Dieser Träger der Jugend- und Behindertenhilfe hat das 3000 Quadratmeter große Areal gepachtet und dort  seit Anfang April für eine hohe sechsstellige Summe den Klettergarten von einer Spezialfirma aus Marburg errichten lassen. Hier sollen sich behinderte und nicht behinderte Menschen begegnen, Hemmschwellen abbauen und neue Sichtweisen kennenlernen:  Für Rollstuhlfahrer wird es eine einmalige Erfahrung sein, in fünf Metern Höhe über zwei schmale Schienen fahren zu können oder sich  quasi als Seilbahngondel an zwei Stahltrossen  hängend  38 Meter gen Erdboden gleiten zu lassen. »Fußgänger können sich auch in bereitstehende  Rollstühle setzen und so einmal die Perspektive eines Menschen mit Behinderung einnehmen.«

Es kostet Überwindung

Carina Pischke hat es ausprobiert. »Das  ist  schon ungewohnt, und es kostet Überwindung, damit in dieser Höhe über die Schienen zu fahren«, erzählt die 28-jährige Sozialarbeiterin nach ihrem Testlauf. 22 der 27 Stationen sind rollstuhltauglich. Ein Team geschulter Klettertrainer wird die Besucher anleiten. »Hier geht es um das Gemeinschaftserlebnis. Es ist egal, woher jemand kommt oder welche Einschränkung er hat«, sagt Teamleiter Thomas Woesthoff.

Unter den Betreuern  sind  Heil- und Sonderpädagogen sowie Ergotherapeuten »Auch Gehörlose und Blinde könnten sich hier in luftiger Höhe zwischen den Bäumen bewegen«, erklärt Andrea Vahrenhorst. Am Seil, an der Hand, im Rollstuhl, mit Karabinern gesichert gehen die Teilnehmer in Gruppen nach oben. Zentrales Element ist der Jakobsturm, eine fünf Meter hohe Plattform.  Balancieren, schwingen, klettern, Hindernisse überwinden: »Am Ende des Klettertags feiern alle gemeinsam Erfolge.«

Überraschende Begegnungen

Zielgruppe sind vor allem Behinderteneinrichtungen und Förderschulen, aber ebenso Jugendgruppen, Vereine, Firmenbelegschaften, Familien  und Einzelpersonen. »Wir erwarten hier so manch in­teressante Begegnung. Denn wenn man zum Klettern geht, erwartet man nicht gerade, Menschen mit einer Behinderung zu treffen«, sagt Andrea Vahrenhorst. Der Klettergarten »Grenzenlos« wird am 13. Juni eröffnet.

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