»Formel eins in der Schule«: Amy Zhou (14) qualifiziert sich für Deutsche Meisterschaft  Rennwagen im Kopf 

Gütersloh (WB). Während Mädchen ihres Alters noch mit Puppen spielen, das Pferdemagazin »Wendy« verschlingen oder auf dem Handy herumdaddeln, arbeitet Amy Zhou an der Entwicklung eines Miniatur-Rennwagens. Im Mai nimmt sie damit an einer Deutschen Meisterschaft teil.

Von Carsten Borgmeier
Mit ihren erst 14 Jahren arbeitet Amy Zhou aus Gütersloh an der Konstruktion eines Rennwagens im Miniaturformat mit. Anhand spezieller Software wird der Wagen hinsichtlich der Aerodynamik optimiert.
Mit ihren erst 14 Jahren arbeitet Amy Zhou aus Gütersloh an der Konstruktion eines Rennwagens im Miniaturformat mit. Anhand spezieller Software wird der Wagen hinsichtlich der Aerodynamik optimiert. Foto: Carsten Borgmeier

 Nein, ein normales Mädchen ist diese 14-Jährige irgendwie nicht: In der Grundschule überspringt Amy die erste Klasse, weil ihr im Fach Mathematik die Aufgaben viel zu leicht sind. 2011 nimmt die Schülerin des Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums (ESG) an der Weltmeisterschaft im Kopfrechnen in Münster teil, 2014 erringt das Kind chinesischer Eltern beim Landeswettbewerb »Jugend musiziert« am Klavier einen 1. Preis.

 Seit Anfang 2015 arbeitet Amy Zhou nun an der Entwicklung eines Mini-Renners im Rahmen des internationalen Wettbewerbs »Formel eins in der Schule«. Sie übernimmt in dem fünfköpfigen, inklusiven Junior-Team »Ravensberger Erfinder« bestehend aus Mädchen und Jungen im Alter zwischen elf und 14 Jahren den Part der Gestalterin. Amy gibt dem feuerroten Boliden im Maßstab von etwa 1:16 am Computer sein unverwechselbares Aussehen, wirbt Sponsoren ein und hat dafür eigens ein digitales Projektportfolio entworfen.

 Bei »Formel eins in der Schule« handelt es sich um einen multidisziplinären Technologie-Wettbewerb, in dem Kinder und Jugendliche zwischen elf und 19 Jahren einen Miniatur-Rennwagen zunächst virtuell entwickeln, fertigen und den von einer Gaspatrone angetriebenen Wagen anschließend sogar ins Rennen schicken. Auf diese Weise sollen begabte und wissbegierige Schüler einen Einblick in die Bereiche Produktentwicklung, Technologie und Wissenschaft erhalten.

 Betreut wird das Team um Amy Zhou von Ehrenamtlichen des Vereins »Ravensberger Erfinderwerkstatt« unter Vorsitz von Lehrer Kirsten Biedermann aus Halle/Westfalen. Er gründete sich 2013 und setzt sich aus Pädagogen und Wissenschaftlern zusammen.

 Amy und ihre »Erfinder« jedenfalls nutzen die Osterferien, um den roten Renner nach ihrem Sieg beim Landesentscheid vor vier Wochen in Paderborn noch schneller, noch aerodynamischer zu machen. Viel erarbeiten sich die Nachwuchs-Ingenieure dabei am Computer, sind aber auch viel vor Ort: »Am Dienstag waren wir in der Universität Paderborn zu Gast«, berichtet Amy, »dort durften wir uns anschauen, wie 3-D-Drucker funktionieren.«

 Diese Technologie spielt bei dem Renner eine zentrale Rolle, wurde er doch im virtuellen Windkanal optimiert und dann über einen solchen Drucker »geboren«. In Hockenheim läuft am Freitag und Samstag, 8. und 9. Mai, die Deutsche Meisterschaft über die Bühne, bei der Amy und ihr blitzgescheites Konstruktions- und Entwicklungsteam gegen 15 andere Schülergruppen aus dem Bundesgebiet antreten. »Für Freundinnen bleibt mir da leider keine Zeit«, klagt Amy.

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