Familiendrama vor Gericht: Vater fährt mit seinem Auto die Tochter an Drei Mal die Woche Theater

Gütersloh (WB). Er sei ein treusorgender Familienvater, der seine drei Kinder liebe, beteuerte der 55-jährige Mann. Am 19. August 2014 allerdings eskalierte ein Streit mit seiner Tochter, der für sie verhängnisvolle Folgen hatte: Die junge Frau wurde nach Verlassen der gemeinsamen Wohnung, wo die Auseinandersetzung begonnen hatte, von ihrem eigenen Vater mit dessen Auto angefahren.

Von Uwe Caspar
Symbolfoto
Symbolfoto

Wobei sich die zwischen Stoßstange und Hauseingang eingeklemmte 21-Jährige schwere Quetschverletzungen am Knöchel zuzog. Sie musste acht Mal operiert werden, mehrere Haut-Transplantationen wurden bei ihr durchgeführt. Gleichwohl scheint sie ihrem Vater – der Taxifahrer ist und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Körperverletzung angeklagt – inzwischen verziehen zu haben. »Er hat das zu 100 Prozent nicht mit Absicht getan«, versicherte sie vor dem Gütersloher Schöffengericht.

»Mit Vollgas auf das Opfer zugefahren«

Dem widerspricht jedoch die Aussage einer Nachbarin, die von ihrem Küchenfenster aus das Familiendrama beobachtet hatte. »Die Tochter versuchte wegzulaufen, was ihr beim zweiten Mal nicht mehr gelungen ist. Der Mann ist mit Vollgas auf sie losgefahren, dann gab es einen lauten Knall«, sagte die 62-Jährige Hausfrau aus. Eine weitere Zeugin berichtete von »quietschenden Reifen und durchdrehenden Rädern«. Das Opfer sei vor dem Auto »weggelaufen«. Dagegen behauptete der Beschuldigte, dass er aus Angst vor seiner aggressiven Tochter nur schnell weg wollte mit seinem Renault und sie gar nicht gesehen habe. Er könne sich an den Vorfall auch nicht mehr erinnern. Nur an die Schreie seiner warnenden Ehefrau: »Weg, weg, weg!«

Der Streit in einem Haus am Avenweddeer Andreasweg, bei dem eine Vase zu Bruch ging, hatte in der Wohnung begonnen, weil die Tochter annahm, dass der Vater ihren Laptop mitnehmen und zerstören wollte. »Da habe ich ihm gedroht, ein Messer aus der Schublade rauszuholen. Als Kind wurde er mit drei Stichen verletzt – seitdem hat er Angst vor Messern«, erzählte das Opfer, während die Mutter von ihrem Zeugenaussage-Verweigerungsrecht Gebrauch machte.

Pikante Familieninterna

Sie musste allerdings mit anhören, wie ihre Nachbarin einige pikante Familieninterna preisgab. Laut der Zeugin habe die Frau des Angeklagten nach dem Vorfall angeblich zu ihr gesagt: »So ein Schwein muss eingesperrt werden.« Auch solle der Mann seine Frau häufig schlagen und habe eine russische Freundin. Die Nachbarin: »In der Wohnung gab es drei Mal in der Woche Theater. Die Polizei war auch schon mehrmals da.«

Gleichwohl scheinen sich alle wieder lieb zu haben: Vater, Ehefrau und Tochter leben weiterhin unter einem Dach zusammen – jetzt aber friedlich. Ihr Verhältnis zum Familienoberhaupt sei wieder gut, bekundete die 21-Jährige und fügte noch an: »Mein Papa ist streng, und ich habe auch viel Mist gebaut.«

Die Verhandlung wird am 5. und 26. März fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.