Nach 30 Jahren ist die umstrittene Nerzfarm in Spexard abgerissen worden  Jetzt wächst Gras darüber 

Gütersloh (WB). Gegensätzlicher hätte diese Nachbarschaft kaum sein können: In Gütersloh-Spexard waren Tierschutz und -zucht über Jahrzehnte nur durch einen Zaun voneinander getrennt. Mittlerweile gibt es die denkwürdige Koexistenz nicht mehr – die Nerzfarm ist verschwunden.

Von Carsten Borgmeier
Doro Hücker (36) ist froh darüber, dass die Nerzfarm auf der Wiese links verschwunden ist. Die neue Leiterin des Tierheims Gütersloh hätte das Areal gern als Auslauffläche für Hunde gesehen. Doch der Eigentümer Leo Spexard spielt da nicht mit.
Doro Hücker (36) ist froh darüber, dass die Nerzfarm auf der Wiese links verschwunden ist. Die neue Leiterin des Tierheims Gütersloh hätte das Areal gern als Auslauffläche für Hunde gesehen. Doch der Eigentümer Leo Spexard spielt da nicht mit.

Im wahrsten Wortsinne wächst jetzt Gras über die Sache, denn Eigentümer Leo Spexard (65) will das 6500 Quadratmeter große Grundstück an der Straße »In der Worth« vorläufig nur als Wiese und Ausgleichsfläche nutzen.

Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte der frühere Pächter und Betreiber der Nerzfarm, Kaufmann Heinz Stüker (66) aus Rheda-Wiedenbrück, die Stallungen und Baracken abgerissen. Bereits ein Jahr zuvor durften dort die letzten Pelztiere geschlachtet werden. Strengere Tierschutz-Auflagen der Düsseldorfer Landesregierung und mehrere Strafanzeigen von Gegnern der Nerzfarm hatten Heinz Stüker schließlich zur Aufgabe bewogen.

Leo Spexard jedenfalls ist jetzt nach 30 Jahren seinen treuen Pächter los. »Mit ihm gab es nie Schwierigkeiten«, sagt der gelernte Fliesenleger, der vielmehr fanatische Tierschützer dafür kritisiert, mehrfach unerlaubt seinen Grund und Boden betreten zu haben, um auf der Nerzfarm mutmaßliche Tierschutzskandale aufzudecken. »Das war nicht in Ordnung« , meint er, »diese Leute wollen doch bestimmt auch nicht, dass Fremde in deren Wohnzimmern herumlaufen.«

Im Tierheim Gütersloh sind Verantwortliche wie Petra Kulik oder Doro Hücker über das Ende der Farm froh und enttäuscht zugleich: »Wir hätten das Gelände gern angepachtet, um es als Auslauffläche für unsere Hunde zu nutzen«, sagt Kulik als zweite Vorsitzende, »doch der Eigentümer hat auf unsere Anfrage gar nicht reagiert.« Auch die Stadtverwaltung habe Spexard in der Sache angesprochen – ohne Erfolg.

Froh sind Kulik und Hücker, die jetzt seit Januar das Tierheim leitet, indes über das Aus der Nerzzucht nebenan: »Das ging gar nicht, was wir dort beobachtet haben«, erinnert sich Petra Kulik und berichtet von im Winter zugefrorenen Wassertränken der Nerze und abgezogenen Kadavern, die im Sommer in offenen Plastiktonnen direkt am Feldweg gestanden hätten. »Gerade für Kinder, die unsere Hunde ausführten, war das kein schöner Anblick«, so Kulik.

Tierschützer aus dem gesamten Bundesgebiet hatten mutmaßliche Missstände in der Spexarder Nerzfarm heimlich gefilmt und zur Anzeige gebracht. Daraufhin schaltete sich die Veterinärbehörde des Kreises ein. Neue Richtlinien zur Käfiggröße gaben dann offenbar den Ausschlag dazu, dass Stüker die Zucht aufgab.

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