Hobbyfotograf Erich Westersötebier hat die gesamte Geschichte des Flugplatzes Gütersloh miterlebt  Vom Möbelpacker zum »Spotter« 

Gütersloh (WB). Wie wohl kein zweiter Gütersloher ist er mit dem alten Militärflugplatz an der Marienfelder Straße verbunden: Erich Westersötebier wuchs nicht nur nebenan auf – Jahrzehnte lang ging er als »Hausfotograf« der Royal Air Force (RAF) in dem Sperrgebiet ein und aus.

Von Carsten Borgmeier
Dieses Bild gehört zu den spektakulärsten Aufnahmen, die Erich Westersötebier von der Rollbahn aus schießen konnte: Nur wenige Meter über dem Erdboden fliegt diese Maschine der Red Arrows 1976 an dem Spotter vorbei.
Dieses Bild gehört zu den spektakulärsten Aufnahmen, die Erich Westersötebier von der Rollbahn aus schießen konnte: Nur wenige Meter über dem Erdboden fliegt diese Maschine der Red Arrows 1976 an dem Spotter vorbei.

 In wenigen Tagen, am 3. Februar, wird der Landwirt 80 Jahre alt. Viel Zeit davon verbrachte Westersötebier direkt an der Rollbahn – denn nur er durfte als Zivilist so nah an die landenden und startenden Kampfjets heran. In der früher in Gütersloh sehr aktiven »Spotter«-Szene der von Militärflugzeugen begeisterten Hobbyfotografen genießt Westersötebier deshalb einen legendären Status.

 Sein aus vielen tausend Dias bestehendes, akkurat beschriftetes Bildarchiv ist voller »Schätze«, sein Kopf voller Erinnerungen: Es gibt wohl kaum ein Flugzeugmu-ster der westlichen Allianz, das der leidenschaftliche Hobbyfotograf in Gütersloh nicht vor die Linse bekam. »Dieser Flugplatz hatte bis 1993 eine hohe strategische Bedeutung«, erklärt der Senior, weshalb Maschinen fast aller NATO-Staaten in Gütersloh landeten.

 »Ich habe damals nebenbei für eine am Flughafen ansässige, englische Spedition als Lastwagenfahrer und Möbelpacker gearbeitet«, berichtet Westersötebier, der so vielen britischen Soldaten seit Ende der 1950er Jahre beim Umzug nach Gütersloh half. »So kam ich in Kontakt mit den Piloten der Royal Air Force, in manchen Fällen entwickelten sich daraus Freundschaften«, erzählt der 79-Jährige, der am Nottebrocksweg aufwuchs und dort noch immer lebt.

 Doch sein Interesse an den wendigen Maschinen war schon Jahre zuvor geweckt worden, als er noch in den Kinderschuhen steckte: »Unser Hausmädchen Nelli muss damals so um die 18 Jahre alt gewesen sein«, blickt der Landwirt in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück, als in Gütersloh die Elite der deutschen Kampfflieger stationiert war. »Wenn sich Nelli mit den Piloten zum Tanzen getroffen hatte, erfuhren wir anschließend, was alles so auf dem Flugplatz passierte und wie es um die Weltlage stand«, erinnert sich Westersötebier.

 So erlebte er unweit seines Elternhauses nicht nur den Niedergang der Reichsluftwaffe, er sah auch die Bombenangriffe auf Gütersloh und schließlich den Einmarsch der Amerikaner Anfang April 1945. »Gott sei Dank ist der Pfarrer Gronemeyer als Parlamentär den US-Truppen auf dem Fahrrad entgegengefahren, die Artillerie stand nämlich schon auf dem Flugfeld und zielte auf die Stadt«, erinnert sich Westersötebier noch genau.

 Nach Kriegsende wurde es dann richtig spannend an der Marienfelder Straße: Egal, welche Staffel der RAF nach Gütersloh kam, Westersötebier war derjenige, der ihnen mit der Kamera ganz nahe kommen durfte. »Erich, ich fliege heute ganz tief über Dein Haus. Mach doch bitte ein Foto von der Maschine«, lautete ein oft geäußerter Wunsch der Piloten.

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