Doppelmordprozess: Richterin Jutta Albert drängt auf Plädoyers Fünf Beweisanträge mit geringen Erfolgsaussichten

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Der Prozess um den Gütersloher Geschwister-Doppelmord geht in die Endphase. Zwar stellten die beiden Strafverteidiger des Angeklagten Jens Sch. gestern noch einmal fünf Beweisanträge, die jedoch wenig Aussichten auf Erfolg haben dürften. Die Vorsitzende Richterin Jutta Albert signalisierte, dass es an der Zeit sei, die Plädoyers zu halten.

Die Strafverteidiger Sascha Haring(links) und Dr. Carsten Ernst haben fünf neue Beweisanträge gestellt.
Die Strafverteidiger Sascha Haring(links) und Dr. Carsten Ernst haben fünf neue Beweisanträge gestellt. Foto: Wolfgang Wotke

Schon am nächsten Verhandlungstag (Montag, 26. Januar, 9 Uhr) könnte Albert die Beweisaufnahme schließen. Vorausgesetzt, die Kammer lehnt die gestrigen Anträge der Verteidigung ab und es folgen keine weiteren.

Anwalt Sascha Haring legte dem Schwurgericht gleich vier Eingaben vor. Unter anderem soll der Zeuge K. gehört werden, der ein belastendes Indiz entkräften könne. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung des Beschuldigten hatten die Ermittler nämlich einen Zettel entdeckt, auf dem die Worte »Träumst Du?«, »Friedhof« und die Ziffern »elf und zwölf« notiert waren. Das werteten die Fahnder als einen Hinweis darauf, dass es sich um eine Verbindung zur Lebensphilosophie des Carlos Castaneda handelt, nach der Jens Sch. zuletzt gelebt haben soll. Mit dem Wort »Friedhof« und den Ziffern könnten die Zeiten der Beerdigung der beiden Opfer gemeint sein. Dr. Helgard G. (74) war am 6. Januar 2013 um 11 Uhr und Hartmut S. (77) um 12 Uhr zu Grabe getragen worden.

Das alles sieht der Beschuldigte anders. Er habe den Zettel als Gedächtnisstütze angefertigt, weil er von K. erfahren haben will, dass sein Wohnhaus am Feldweg in Verl einst auf einem ehemaligen Friedhof aus dem 11. und 12. Jahrhundert erbaut worden sei. »Dem wollte ich nachgehen.« Staatsanwalt Christoph Mackel äußerte Skepsis: »Der Zeuge K. hat schon in anderen Kriminalfällen seltsame Aussagen gemacht.«

Verteidiger Dr. Carsten Ernst beantragte, warum es notwendig ist, ein detailliertes Gutachten zu den am Tatort gefundenen neun DNA-Spuren seines Mandanten einzuholen. »Dabei geht es nur um geringfügige Beimengungen.« Richterin Jutta Albert reagierte kühl: »Die Beweiswürdigung ist unsere Sache.«

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