Beamter aus Schloß Holte-Stukenbrock besaß mehr als 3000 Fotos Kinderpornos: Behörde will Polizisten entlassen

Gütersloh (WB). Die Polizei Gütersloh will einen Beamten (35) loswerden, der Kinderpornos besessen hat. Wie bekannt wurde, hat die Behörde beim Verwaltungsgericht Münster eine sogenannte Disziplinarklage eingereicht. Die hat das Ziel, den 35-Jährigen aus dem Staatsdienst zu entfernen.

Von Christian Althoff

Der Polizeikommissar aus Schloß Holte-Stukenbrock war 2011 zufällig wegen des Besitzes von Kinderpornographie aufgefallen. Damals war es üblich, dass er seinen Laptop mit zum Nachtdienst brachte, damit er und seine Kollegen sich Filme ansehen konnten, wenn nichts los war. Als der Polizist eines Nachts schnell zu einem Einsatz musste, blieb der Computer aufgeklappt in der Dienststelle stehen. Ein Kollege entdeckte eine Datei mit einem verdächtigen Namen, klickte sie an und stieß auf Kinderpornos. Der Polizist informierte seinen Vorgesetzten. Tage später durchsuchten Kriminalbeamte die Wohnung ihres Kollegen. Sie stellten drei Computer sicher, auf denen sich mehr als 3000 Bilder fanden – mit Namen wie »Twelve years old«. In einem Tresor entdeckten die Beamten CDs mit noch mehr Kinderpornografie.

Der Polizist, der seit zehn Jahren im Dienst war und bis dahin als unbescholten galt, wurde suspendiert, sein Gehalt wurde gekürzt. 2012 verurteilte ihn das Amtsgericht Bielefeld zu 3200 Euro Strafe, was 80 Tagesnettoverdiensten entspricht. Vor Gericht hatte der Polizist argumentiert, die Bilder habe er sich vor zehn Jahren heruntergeladen und dann vergessen. Das nahm ihm der Richter aber nicht ab.

Geständnis

Der Beamte ging in die Berufung und trug vor dem Landgericht Bielefeld die gleiche Version vor. Der Richter wies ihm allerdings nach, dass er noch nach 2005 Kinderpornos auf DVDs gebrannt hatte. Daraufhin gestand der Polizist, nahm die Berufung zurück, und das Urteil des Amtsgerichts Bielefeld wurde rechtskräftig.
Bei Strafen bis zu 90 Tagessätzen gilt man nicht als vorbestraft, doch das Urteil hat für den Polizisten trotzdem erhebliche Konsequenzen.

Die Polizei Gütersloh sieht unter anderem das Ansehen der Behörde durch den Mann geschädigt und bewertet den Verstoß gegen die Beamtenpflichten als so schwerwiegend, dass sie die Bezüge des Mannes weiter gekürzt hat und ihn nun entlassen will. Sein Verteidiger Dr. Holger Rostek sagte, er halte diese Maßnahme für überzogen, zumal andere Behörden bei solchen Verurteilungen nicht so hart durchgriffen. Rostek: »Ich rechne damit, dass die mündliche Verhandlung 2015 in Münster stattfindet.«

In anderen Fällen haben Verwaltungsgerichte allerdings auch schon Polizisten entlassen, die erheblich weniger Kinderpornos besaßen als der Ostwestfale. In München musste ein Polizeimeister gehen, bei dem 400 Dateien gefunden wurden. In Jena wurde im vergangenen Jahr ein Hauptkommissar entlassen, dem der Besitz von 77 Bildern nachgewiesen wurde. Er habe dem Ansehen der gesamten Thüringer Polizei schwer geschadet, sagte sein Vorgesetzter im September 2013 nach dem Prozess.

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