Rettungskräfte haben mit mehr Unfällen und Störern zu kämpfen Gaffer und andere Probleme

Versmold/Borgholzhausen (WB/hn). Zum zweiten Mal seit ihrer Fertigstellung hat Landrat Sven-Georg Adenauer die Versmolder Rettungswache kurz vor dem Jahreswechsel besucht.

Beim Besuch der Rettungswache in Versmold bedanken sich Thomas Kuhlbusch (Kreis Gütersloh, von links), Hans-Jürgen Matthies, Eckhard Ramhorst (Kreis) und Landrat Sven-Georg Adenauer stellvertretend bei Wachleiter Jens Vahle.
Beim Besuch der Rettungswache in Versmold bedanken sich Thomas Kuhlbusch (Kreis Gütersloh, von links), Hans-Jürgen Matthies, Eckhard Ramhorst (Kreis) und Landrat Sven-Georg Adenauer stellvertretend bei Wachleiter Jens Vahle. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Mit hochgerechneten 2481 Einsätzen werde die Versmolder Wache zum Jahresende fast exakt bei der Vorjahreszahl landen. Mit der sich verändernden Krankenhaus-Landschaft haben sich die Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren erhöht. »Der Rettungsdienst ist im Notfall schnell vor Ort«, lobte der Landrat.

Rettungswagen braucht länger ins Krankenhaus

Allerdings hätten sich auch durch den Wegfall des Dissener Krankenhauses die Fahrzeiten verlängert. Versmold profitiere von der Kreis- und Landesgrenzen überschreitenden Zusammenarbeit. So stehe in Bad Laer ein Rettungstransportwagen, der auch im Altkreis aushelfe. Wichtiger Anlaufpunkt ist das St.-Josephs-Krankenhaus Warendorf mit den Spezialabteilungen Kardiologie und Hand-Chirurgie.

»Die medizinische Versorgung wird für die Bevölkerung zunehmend zu einem wichtigen Faktor«, erklärte Thomas Kuhlbusch, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Ordnung und Recht beim Kreis Gütersloh. Auch die A33-Anbindung nach Osnabrück, wo die hoch gerüstete Schlaganfall-Einheit auch noch fünf Tage nach einem Vorfall helfen könne, schwere Dauerschäden zu verringern, spielt eine besondere Rolle. »Dagegen ist die kürzere Fahrt nach Gütersloh wegen der Verkehrssituation nicht erste Option. Den Patienten tun wir mit Osnabrück einen Gefallen«, erklärte Wachleiter Jens Vahle. Der hatte am ersten Schneewochenende Anfang Dezember eine besondere 24-Stunden-Schicht, als er davon 21 Stunden auf Achse war.

Übergriffe von Störenfrieden

Eine zunehmende Zahl von Übergriffen durch Gaffer und Störenfriede im Einsatz stellt Michael Rieder, Leiter der Haller Rettungswache, fest. »Früher waren die Menschen froh, wenn wir kamen, jetzt werden wir zum Feind, weil wir bei einem Einsatz einen Weg versperren oder den Motor laufen lassen müssen«, beschrieb sein Kollege Simon Horenkamp den mangelnden Respekt.

Die forcierte Weiterbildung zu Notfall-Rettungssanitätern trage Früchte. Die Retter stehen aber auch vor neuen Herausforderungen. Da es immer häufiger sehr fettleibige Patienten gebe, die nur schwer patientengerecht durch ein enges Treppenhaus zu tragen wären, kam im vergangenen Jahr die Drehleiter der Feuerwehr mehr als zehn Mal zum Einsatz.

Unfallflucht als »Volkssport«

Der Kreispolizeibehörde, deren Versmolder Ableger der Landrat jetzt ebenfalls besuchte, macht laut leitendem Polizeidirektor Karsten Fehring die Verkehrsunfallstatistik Sorge, die steigende Werte ausweise. Ein großer Teil seien Bagatelldelikte, wie sie beim Ausparken passieren. Beim Thema Unfallflucht sprach Adenauer von einem »Volkssport«, der sich hier entwickelt habe.

Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann, der den Landrat begleitete, lobte die Nähe und die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen. Als beispielgebend nahm Adenauer wahr, dass der Bezirksdienst in Borgholzhausen im Rathaus angesiedelt ist. Das verkürze Wege und vereinfache es, wenn die Stelle nicht besetzt ist, weil Kollegen im Einsatz sind.

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