400 unterstützen Demo der Bürgerinitiativen »Keine 380-kV-Freileitung am Teuto« Erdkabel-Befürworter laufen 22 Kilometer

Borgholzhausen/Hilter (WB). Die Bürgerinitiativen »Keine 380-kV-Freileitung am Teuto« wollen sich nicht auf den erreichten Teilerfolgen ausruhen. Bei einer gemeinsamen Kundgebung am Sonntag mit mehr als 400 Teilnehmern in Hilter-Borgloh bekräftigten sie ihr Ziel: eine Voll-Erdverkabelung der Stromtrasse nach Wehrendorf.

Allein 50 Borgholzhausener hatten sich zu Fuß aufgemacht. 22 Kilometer marschierten sie entlang der bestehenden, vergleichsweise kleinen Masten bis Borgloh. In Wellingholzhausen schlossen sich weitere 70 Personen an. Mit dabei: Piums Bürgermeister Dirk Speckmann, der den beteiligten sechs Bürgerinitiativen für ihre essenzielle Arbeit dankte.

Speckmann: »Nun ernsthafter Dialog mit Amprion«

Wie berichtet steht seit etwa einem Monat fest, dass für den Abschnitt Halle-Hesseln bis zur Landesgrenze Niedersachsen seitens der Amprion eine (Teil-)Erdverkabelung ernsthaft geprüft und ein neues Planfeststellungsverfahren aufgelegt wird. Speckmann kündigte an, dass es im Spätsommer ein Gespräch mit der Amprion geben werde. Nun endlich werde es einen ernsthaften Dialog geben.

Möglich geworden ist der, weil es den Bürgerinitiativen entlang der Trasse gelang, dass das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) wider Erwarten noch mal geöffnet und die Trasse 16 zum Pilotprojekt für Erdverkabelung wurde.

Erdverkabelung – »Ein dickes Brett zum Bohren«

»Als wir vor vier Jahren begonnen haben, hat das kaum einer für möglich gehalten«, sagte Frank Vornholt, Vorsitzender der BI Wellingholzhausen. Entsprechend engagiert und zuversichtlich gehen die Erdkabel-Befürworter deshalb den nächsten, entscheidenden Schritt auf das Ziel Voll-Erdverkabelung zu – wohl wissend, dass eine dafür erneut notwendige Änderung des Bundesgesetzes ein schwieriges Unterfangen wird.

Dieses zu bohrende Brett sei womöglich noch dicker als das vorherige, gaben mehrere Gastredner zu bedenken. Die Kundgebung gebe jedoch auch ein deutliches Signal aus der Bevölkerung an die Politik, die nun gefordert sei. Erfreut wurde entsprechend registriert, dass Frank Hennig (SPD), Mitglied des Landtags in Hannover, ankündigte, Niedersachsen werde nach der Bundestagswahl im Herbst eine Bundesratsinitiative pro Voll-Erdverkabelung starten.

Bodenschonendes Verfahren für Erdkabel vorgestellt

Deutlich wurde am Sonntag auch, dass es den Bürgerinitiativen weiterhin ein Anliegen ist, sachlich und sachkundig an innovativen Lösungen mitzuarbeiten. So stellte ein Vertreter der Firma AGS ein neuartiges, bodenschonendes Verfahren vor. Demnach könnten in einem schmalen Korridor – idealerweise entlang bestehender Infrastruktur – Erdkabel »schwimmend« verlegt werden. Ein Wassermantel kühle in diesem Verfahren nicht nur, sondern ermögliche auch eine Verlegung über lange Strecken.

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