Joseph Schräders Werkschau »Gegensichten« im Rathaus Borgholzhausen Skulptur aus Margarine-Bechern

Borgholzhausen (WB). Seit 2011 hat der Kulturverein Borgholzhausen mehr als 40 Ausstellungen organisiert. Verantwortlich dafür war in erster Linie der zweite Vorsitzende Joseph Schräder. Nun standen er und seine Werke aus vier Jahrzehnten selber im Mittelpunkt der neuen Ausstellung, die noch bis zum 21. Februar zu sehen ist.

Von Johannes Gerhards

»Schräders Verantwortungsgefühl, sein Humor, die zugewandte, offene Art und auch seine Streitkultur, die gelegentlich an Dickköpfigkeit grenzt, prägen unsere Arbeit und haben auch schon viele Türen geöffnet«, lobt die Vorsitzende Astrid Schütze ihren Stellvertreter. Ganz gleich, ob es sich um Kindergartenkinder oder weit über die Region bekannte Künstler handelt, Joseph Schräder gehe stets mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit vor.

Das wollte auch der als Musiker eingeladene Trompeter Jan-Josef Bzdega bestätigen, und zwar auf einem ganz anderen Gebiet: »Ich bin sehr stolz auf die Ausbildung als Bauzeichner, die ich bei Ihnen absolvieren durfte«, sagte er, als er mit »Wonderful World« und »Amazing Grace« die Ausstellung eröffnete. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Tassilo Knauf, selber langjähriges Mitglied im Kulturverein.

Er bezeichnete Schräder als »Wanderer zwischen künstlerischen Welten«, der Kunst als »persönliches Lebensmittel« begreife und es nie nötig hatte, sich »auf dem Markt der Eitelkeiten in Szene zu setzen«. Im Gegensatz zu seinem Beruf als Architekt, wo er die Balance zwischen eigenen Ideen, den Wünschen der Bauherren und dem zur Verfügung stehenden Material finden musste, habe es für den Künstler Schräder keine Beschränkungen gegeben.

Das gelte für Techniken, Stile und die verwendeten Rohstoffe. »Schräder überschreitet die Grenzen zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei, er arbeitet im besten Sinne inklusiv«, sagte Tassilo Knauf, der Anregungen von Jackson Pollocks »Action Painting« oder dem Konstruktivismus eines Mondrian oder Kandinsky genauso in Schräders Werken entdecken kann wie die Integration von Naturelementen und das Experimentieren mit neuen Kunststoffen.

Ein klares Beispiel dafür ist die gefaltete Skulptur aus dem Rohmaterial für Margarinebecher. »Es hat mich sehr fasziniert, als ich die 120 Grad heiße Masse mit Asbesthandschuhen geformt habe«, sagt Schräder selbst über das unverkäufliche Werk, das im Betrieb der Firma Bartling entstanden ist, als er dort als Architekt tätig war. Als besondere Geste möchte er einem der rund 70 Besucher »eine kleine Freude bereiten«. Der Gewinner einer Verlosung darf sich aus den über 40 Exponaten ein Bild aussuchen und mit nach Hause nehmen. Margot Herden ist die Glückliche und entscheidet sich für eine Fotografie mit dem Titel »Herbstfelder«.

Bleistiftzeichnungen und farbig gestaltete Landschaften aus der Umgebung von Borgholzhausen hängen neben übermütigen Plastiken aus Industrieschäumen und streng linierten Darstellungen, die Verbindungen zur Architektur erahnen lassen. Alle zeugen von der Vielseitigkeit des Künstlers. Tassilo Knauf bezeichnet ihn als stets nach »dem Wahren Guten und Schönen Suchenden«, der seit nunmehr fast 80 Jahren im Hier und Jetzt lebe.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.