In Landschaftsbildern von Anastasiya Nesterova spiegelt sich die moderne Welt wider Harmonische Störfaktoren

Borgholzhausen (WB). Heimat ist für die von der Krim stammende Ukrainerin Anastasiya Nesterova seit der Annextion durch Russland zum kostbaren Begriff geworden. Die in Münster lebende Malerin und Diplom-Designerin blickt in ihren Werken seit ihrem Umzug 2004 auf ihre neue Heimat Deutschland mit einem unverstellten, eigenen Blick. Eine Auswahl von 30 Bildern und Drucken wird die 35-Jährige ab Sonntag im Borgholzhausener Rathaus zeigen.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Hinter leuchtenden Rapsfeldern wachsen schlanke Windräder in die Landschaft. Die in Münster lebende Malerin und Druckgrafikerin Anastasiya Nesterova hat den Blick für die Harmonien zwischen idyllischer Landschaft und der modernen Welt.
Hinter leuchtenden Rapsfeldern wachsen schlanke Windräder in die Landschaft. Die in Münster lebende Malerin und Druckgrafikerin Anastasiya Nesterova hat den Blick für die Harmonien zwischen idyllischer Landschaft und der modernen Welt. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Die Sollbruchstelle zwischen Ukraine und Russland kennt Anastasiya Nesterova nur zu genau. Ihr Vater ist russischer U-Bootkommandant, ihre Mutter ukrainische Künstlerin. »Die Menschen kommen miteinander klar«, sagt die junge Frau, deren Familie nach wie vor in Sewastopol auf der Krim lebt. »Seit der Besetzung kann ich nicht mehr einfach nach Hause fahren«, sagt die vielseitige Künstlerin, die im Jahr 1999 in Odessa das Studium begann und dieses 2005 an der Fachhochschule Münster im Fachbereich Design mit dem Schwerpunkt Druckgrafik fortsetzte. Schon ihr Großvater war Maler. »Ich wuchs in einer kreativen Umgebung auf«, erzählt Anastasiya Nesterova von ihrer Kindheit, die sie zum Großteil im Atelier ihrer Mutter erlebte.

Zweite Heimat gefunden

Ihre zweite Heimat hat sie in Deutschland längst gefunden. Und schaut mit einer sehr eigenen Perspektive ihre Umwelt an. Ihren idyllischen, leicht abstrahierten, weichen Farbholzschnitten und Ölgemälden fügt Nesterova bewusst Störfaktoren einer modernen Gesellschaft bei. In ihren Landschaftsbildern finden sich Windräder als Symbole einer modernen Gesellschaft wieder. In einen Schwarz-Weiß-Druck einer fast nur schemenhaft angedeuteten Straße fügt sie im Bild »Baustelle« rot-weiße Baken als Hingucker bei. Vor leuchtenden Rapsfeldern verläuft eine grau asphaltierte Straße. »Ich versuche das, was ich in der Realität sehe, nicht im Bild zu verbergen«, erklärt sie ihren künstlerischen Ansatz. »Diese Faktoren ergänzen die Landschaft, ohne sie zu zerstören«, erklärt sie. Dabei müsse achtet sie darauf, dass die Harmonie der Bildkomposition erhalten bleibt.

Die Ausstellung »Landstriche und Umkreise« wird am Sonntag, 10. April, um 11.15 Uhr im Rathaus eröffnet. Die Einführung hält Vanessa Charlotte Heitland, Museumsleiterin in Bad Pyrmont. Die Ausstellung ist bis zum 6. Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen: Montag bis Freitag 8 bis 12.30 Uhr, am Donnerstag auch von 14.30 bis 18 Uhr.

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