Dr. Barbara Peters wechselt zur Arbeitsmedizin Hausärzte-Mangel verschärft sich

Borgholzhausen (WB). »Wir sind gesetzlich verpflichtet, für jeden Patienten das Maximale zu tun, bekommen aber von den Krankenkassen nur das ersetzt, was wirtschaftlich notwendig ist«, sagt Dr. Barbara Peters, die bisher in ihrer Hausarztpraxis einen vierstelligen Patientenstamm betreut hat. Seit Jahresanfang steht sie als Kassenärztin nicht mehr zur Verfügung und verlegt sich mehr auf ihr zweites berufliches Standbein: die Arbeitsmedizin.

Von Johannes Gerhards
Auch in Borgholzhausen verschärft sich der Haushärzte-Mangel.
Auch in Borgholzhausen verschärft sich der Haushärzte-Mangel. Foto: dpa

Dr. Barbara Lange zieht's zur Arbeitsmedizin

Dass sie damit zum Hausärztemangel in Borgholzhausen beiträgt, ist ihr durchaus bewusst. »Ich liebe meinen Beruf und habe ihn seit 23 Jahren immer gerne ausgeübt«, sagt die 51-Jährige. Der Dienst am Menschen werde jedoch durch zunehmende Reglementierung und Bürokratismus immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

Im Bereich der Arbeitsmedizin würden die Preise dagegen durch den freien Markt geregelt und die individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten seien breiter gefächert.
Letztlich brachte eine abrechnungstechnische Auseinandersetzung mit den Krankenkassen über die Urlaubsvertretungen das Fass zum Überlaufen. »Da werden Rückforderungen in absurder Höhe erhoben für Patienten, die in Urlaubszeiten von den Kollegen übernommen wurden. Ich soll Gelder zurück zahlen, die ich nie erhalten habe«, sagt die Medizinerin, die dagegen gemeinsam mit ihren Kollegen bereits juristische Schritte eingeleitet hat.

Die Hausarztsituation in Borgholzhausen verschlechtert sich weiter und stellt sich äußerst unbefriedigend dar. Bei vier Ärzten lag die Auslastung schon nur bei 82 Prozent der wünschenswerten Quote, bei den verbleibenden drei steht rein statistisch für rund 3000 Einwohner nur noch ein Mediziner zur Verfügung. Hinzu komme, so Peters, die bundesweit niedrigste jährliche Zuweisungsrate für Leistungen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte pro Patient und Jahr, die in Westfalen Lippe bei 421 Euro liegt. Einige Kilometer weiter im benachbarten Dissen würden dagegen 480 Euro vergütet. Das könnte ein Grund sein, dass ein Nachfolger trotz intensiver Bemühungen bisher nicht gefunden werden konnte.

Glaubt man Dr. Barbara Peters, so krankt das deutsche Gesundheitssystem an vielen Stellen. Es werde zu viel operiert, obwohl ein Therapieerfolg sich dadurch in den wenigsten Fällen belegen lasse. Leistungen für eine kurzsichtige »Instandsetzungsmedizin« würden meist problemlos übernommen, während die Vorsorge kaum eine Rolle spiele.

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