BGH bestätigt Landgericht: Spätaussiedler wird fünfeinhalb Jahre absitzen Gashahn aufgedreht: Urteil rechtskräftig

Bielefeld (WB). Fünfeinhalb Jahre Haft wegen des versuchten Mordes an Polizeibeamten wird ein russischer Spätaussiedler absitzen, der in einem Haus an der Eckendorfer Straße fast eine Gasexplosion auslöste. Dieses Urteil des Landgerichts ist nun rechtskräftig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in der Revisionsverhandlung festgestellt.

Von Uwe Koch
Im April 2017 hatte ein Obdachloser in diesem Haus an der Eckendorfer Straße den Gashahn aufgedreht.
Im April 2017 hatte ein Obdachloser in diesem Haus an der Eckendorfer Straße den Gashahn aufgedreht. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Nach Überzeugung der 1. Strafkammer des Landgerichts (Schwurgericht) hatte der seit 1991 in Deutschland lebende und vielfach vorbestrafte Vitali N. (44) Mann im April 2017 das leer stehende Haus an der Eckendorfer Straße 35 als Unterschlupf benutzt. Zudem montierte er im Keller des sonst nur von der benachbarten Firma Wittich als Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter genutzten Gebäudes Armaturen und Teile der Gasheizung ab, um die Metallteile dann an einen Bielefelder Schrotthändler zu verkaufen.

Am 24. April 2017 kontrollierten zunächst zwei Streifenpolizisten das Haus und fanden die Schlafstätte des Mannes und eine geöffnete Kellertür vor. Da sie eine Straftat vermuteten, alarmierten sie Kollegen von der Kriminalpolizei. Zwei Kripo-Beamte nahmen den vermuteten Tatort mit einem Prokuristen der Firma Wittich in Augenschein. Ein Beamter machte in der Zeit von 17.21 Uhr bis 17.48 Uhr dann Fotos im und am Gebäude, wie Korte in seinem Urteil minutiös auflistete. Exakt in den letzten zehn Minuten dieses Zeitraumes war das am Haus angelehnte Rad des Vitali N. verschwunden und der Gashahn aufgedreht worden.

Verärgerung und »überschießende Reaktion«

Das Schwurgericht berücksichtigte zudem eine Motivlage, die aus Verärgerung über Polizisten und aus einer »überschießenden Reaktion« resultierte, wie ein Gutachter meinte. Dieses Verhalten habe Vitali N. vielfach während der Straftaten seit seiner Übersiedlung aus Russland im Jahr 1991 gezeigt. Das waren grundlose wie nichtige Körperverletzungen (Faustschlag, Messerattacke, Schlag mit Eisenstange), die Kammervorsitzender Wolfgang Korte anführte. Das Gericht sah letztlich zwei Mordmerkmale als erfüllt – das der Heimtücke und das des gemeingefährlichen Handelns.

Vitali N. hatte schon mit seinem »letzten Wort« die Bemühungen seines Verteidigers Dr. Carsten Ernst um eine »angemessene Strafe« zerstört: Er unterstellte den Polizisten, dass Sie »Dreck am Stecken« hätten. Und Sie hätten »den Gashahn aufgedreht«.

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