Präses Annette Kurschus sieht in Bayern »politische Instrumentalisierung« Kurschus: »Das Kreuz ist kein kulturelles Aushängeschild«

Bielefeld (WB). Präses Annette Kurschus kritisiert den Kreuzerlass der bayerischen Landesregierung scharf. Es sei abwegig, »das Kreuz als Aushängeschild einer bestimmten Kultur politisch zu instrumentalisieren«, sagt die leitende Theologin der Evangelischen Landeskirche von Westfalen.

Von Bernd Bexte
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), evangelischer Christ, hängt ein Kreuz im Eingang der Staatskanzlei auf. Präses Annette Kurschus sieht darin eine politische Instrumentalisierung.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), evangelischer Christ, hängt ein Kreuz im Eingang der Staatskanzlei auf. Präses Annette Kurschus sieht darin eine politische Instrumentalisierung. Foto: dpa, Schwabe

Einmal im Jahr lädt Kurschus die Presse zu einem Gespräch, in dem sie zu kirchlichen Themen Stellung nimmt. Am Donnerstagabend gab es angesichts politisch fordernder Zeiten viel zu besprechen – »denn der Glaube an sich ist politisch«, sagt Kurschus.

Kreuzpflicht

Nach dem Beschluss des bayerischen Kabinetts muss seit Anfang des Monats in den Dienstgebäuden des Freistaats gut sichtbar ein Kruzifix hängen. Das Kreuz gebe es aber nur mit Jesus, der daran gestorben sei und »nicht als folkloristisches Zeichen für die Identität eines Bundeslandes«, kritisiert Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und damit zweithöchste Repräsentantin der Kirche ist.

Heimatdiskussion

Heimat lasse sich nur persönlich definieren. »Jede staatlich verordnete Definition von Heimat wird scheitern«, sagt sie mit Blick auf die aktuelle Diskussion über Identität und Heimat. Wenn das Wort Patriotismus in Deutschland »heute einen Sinn und eine Berechtigung hat, dann als Verfassungspatriotismus«. Heimat schließe den Respekt gegenüber anderen, »die nicht aus dieser Heimat sind«, ein, warnt sie vor Ausgrenzung und Abschottung.

Kirchenasyl

Kurschus verteidigt das Kirchenasyl. Es könne eine Atempause gewähren. Damit entstehe kein rechtsfreier Raum. Im Gegenteil: Kirchenasyl könne den Rechtsstaat sogar stärken, weil es in vielen Fällen »dem Recht zum Durchbruch« verhelfe. Im Bereich der Landeskirche gibt es aktuell 28 Fälle von Kirchenasyl mit 42 Menschen. Etwa 90 Prozent der Fälle enden laut Landeskirche mit einem Bleiberecht.

Dialog mit der AfD

Die Präses ist gegen einen grundsätzlichen Ausschluss von AfD-Mitgliedern auf Podien des Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund, zu dem die in Bielefeld beheimatete Landeskirche einlädt. Es müsse jedoch verhindert werden, dass rote Linien überschritten und extreme Positionen salonfähig gemacht würden. »Wir müssen genau schauen, mit wem wir dort diskutieren.« So sieht es auch der künftige Theologische Vizepräsident, Ulf Schlüter. Die AfD dürfe nicht die Möglichkeit bekommen, sich wegen eines Ausschlusses als Opfer zu stilisieren.

Eucharistie-Streit

Enttäuscht, ja verärgert ist Kurschus über den Brief, mit dem Papst Franziskus den Vorstoß katholischer deutscher Bischöfe zur Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion fürs Erste gestoppt hat. »Dabei hatten wir den Eindruck, wir sind auf einem guten Weg.« Franziskus Kurswechsel sei unfair gegenüber den Bischöfen, die sich dafür eingesetzt hätten. Vermutlich habe er so entschieden, da es seiner Ansicht nach keine Regelung allein für Deutschland geben könne. Den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der in der Eucharistie-Frage eine ablehnende Haltung vertritt, sieht sie »in NRW isoliert«.

Reformationstag

Das Reformationsjubiläum 2017 habe der Kirche Schwung verliehen. »Wir überlegen, wie wir den 31. Oktober weiter im Gedächtnis der Öffentlichkeit halten.« In anderen Bundesländern werde aus dem einmaligen arbeitsfreien Feiertag ein gesetzlicher Feiertag. »Das ist bei uns nicht so, deshalb arbeiten wir an Formaten, wie wir den Tag künftig begehen können.«

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