Tod nach Saufgelage in Ubbedissen: Tat noch nicht bewiesen »Traurig über Tod des guten Bekannten«

Bielefeld (WB). »Das Gesicht sah ziemlich vermackelt aus«, sagte der Zeuge vor dem Landgericht, als er den Gesundheitszustand des 37-jährigen Viktor F. beschrieb. Einen Tag später starb der Mann an inneren Verletzungen. Seine 32-jährige Saufkumpanin sitzt nun vor dem Schwurgericht.

Von Uwe Koch
Sie schweigt vor dem Schwurgericht: Tanja Z. (32) mit ihrem Verteidiger Alexander Klemme. Der Rechtsanwalt erklärte zum Prozessauftakt, seine Mandantin sei »traurig und betrübt« über den Tod des »guten Bekannten«.
Sie schweigt vor dem Schwurgericht: Tanja Z. (32) mit ihrem Verteidiger Alexander Klemme. Der Rechtsanwalt erklärte zum Prozessauftakt, seine Mandantin sei »traurig und betrübt« über den Tod des »guten Bekannten«. Foto: Bernhard Pierel

»Körperverletzung mit Todesfolge« wirft Staatsanwältin Kim Beatrix Simon der Angeklagten vor. Tanja Z. machte zum Prozessauftakt vor der 10. Strafkammer nur Angaben zu ihrer Person, zur Sache ziehe seine Mandantin ihr Schweigerecht vor. Und so erklärte Verteidiger Alexander Klemme: »Sie ist zutiefst betrübt und traurig über den Tod des guten Bekannten. Meine Mandantin hat allein geholfen, den Viktor F. aus der Wohnung zu ziehen.«

Das war am Abend des 10. Mai 2017 vor dem Haus an der Gustav-Winkler-Straße 24 in Ubbedissen geschehen. Was zuvor in der Wohnung in dem »Punkerhaus« passierte, das müssen die Richter um den Vorsitzenden Christoph Meiring der Angeklagten erst beweisen. Tatsächlich starb Viktor F. nach massiven Verletzungen an einem traumatischen Schock und dem daraus resultierenden massiven Organversagen in einer Bielefelder Klinik. Die Anklage vermutet, dass Tanja Z. ihn mehrfach mit Stiefeln an den Kopf und gegen den Körper getreten hat.

»Die Punkerin hat den Typen auf die Straße gezogen«

Tatsächlich sah gegen 20.15 Uhr eine Zeugin (33) aus ihrer Wohnung im Obergeschoss im Haus Nummer 12, dass Tanja Z. den offensichtlich verletzten F. über den Gehweg schleppte (oder zog). Sie informierte ihren Freund (32) per Telefon, der im Garten mit einem Bekannten (41) saß. Sie seien sofort am Gehsteig gewesen, sagten der Friedhofsgärtner und der Spediteur gestern als Zeugen aus. »Die Punkerin hat den Typen auf die Straße gezogen«, beobachtete der 32-Jährige.

Er habe noch gesehen, wie sie zunächst »einen Rucksack ins Gebüsch warf«, dann habe sie die Tasche genommen, reingeschaut und dem am Boden liegenden Viktor F. unter den Kopf geschoben. Auf die Frage, ob sie helfen könnten, erhielten die Männer nur eine Antwort: »Ich kenne den überhaupt nicht.«

Danach habe Tanja Z. erklärt, sie müsse dringend einkaufen und sei gegangen.

Angeklagte schweigt

»Der sah nicht gesund aus«, beschrieb der 32-jährige Friedhofsgärtner den Zustand des Verletzten. Sein Körper habe »eine gelbliche Farbe gehabt«, habe »Hämatome« aufgewiesen, auf dem Rücken habe er »eine große Fläche rohes Fleisch« gesehen, beschrieb er eine Schürfwunde. Wie »nach einer Schlägerei« habe der Mann gewirkt, ergänzte der 41-jährige Spediteur seinen Freund. Er meinte zudem, einen gebrochenen Kiefer bei Viktor F. festgestellt zu haben. F. sei auch »eindeutig alkoholisiert« gewesen, dafür sprächen sein Lallen und die Tatsache, dass er sich nicht habe aufrichten können.

Zu den Vorfällen während des Saufgelages konnten die Zeugen indes nichts sagen. Sie wussten lediglich, dass es in dem »Punkerhaus« schon oft »Streitigkeiten« und »Randale« gegeben habe. Die Bewohner »wechseln häufig«. Die Kleidung sei ähnlich und szenetypisch, eben dunkel gekleidet wie Tanja Z. an jenem Abend. Die Frau habe übrigens dunkle Springerstiefel angehabt, als sie Viktor F. auf die Straße geschleppt habe. Sie habe die »immer getragen«. Seit gestern standen die Stiefel als Beweisstücke auf der Richterbank in Saal 1 des Landgerichts.

Ob die 32-jährige Angeklagte damit wirklich zugetreten und das Opfer massiv verletzt hat, wird zu beweisen sein. Angeblich soll es diese Beweise geben. Deshalb hatte das Oberlandesgericht Hamm erst beschlossen, dass dieser Prozess nun überhaupt stattfindet.

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