Drogengelage mit tödlichem Ausgang – Zusammengetretener Mann zunächst auf Fußweg gefunden Prozessbeginn: Angeklagte schweigt

Bielefeld (WB/uko). Vor dem Landgericht Bielefeld hat der Prozess gegen eine 31-jährige Bielefelderin begonnen. Sie soll mitverantwortlich dafür sein, dass ein im Mai 2017 auf einem Gehweg gefundener zusammengetretener 37-Jähriger an schweren inneren Blutungen nach massiver Gewalteinwirkung im Krankenhaus starb.

Mit Kamera, Stock und Schutzanzügen: Polizisten der Spurensicherung sind im Mai 2017 nach der Gewalttat auf dem Gehweg der Gustav-Winkler-Straße im Einsatz.
Mit Kamera, Stock und Schutzanzügen: Polizisten der Spurensicherung sind im Mai 2017 nach der Gewalttat auf dem Gehweg der Gustav-Winkler-Straße im Einsatz. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Die Angeklagte, die wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt ist, schwieg am Donnerstag zu den Vorwürfen.

Vor 13 Monaten fanden Zeugen den zusammengetretenen Mann (37) auf dem Gehweg der Gustav-Winkler-Straße zwischen Hillegossen und Ubbedissen. Die 32-Jährige kam in Untersuchungshaft.

Doch die Frau ist trotz umfangreicher Ermittlungen einer achtköpfigen Mordkommission schon längst wieder frei. Dass ihr erst jetzt mehr als ein Jahr nach der Tat der Prozess vorm Bielefelder Schwurgericht gemacht wird, liegt an unterschiedlichen Auffassungen zwischen Staatsanwaltschaft und Landgericht zu dem Fall.

Staatsanwalt Christoph Mackel hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres Anklage gegen die 32-Jährige wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Die wegen einer langen Rauschgiftkarriere mehrfach vorbestrafte Bielefelderin soll am 10. Mai bei einem Drogen- und Alkoholgelage unter Angehörigen der sogenannten Tüten-Szene vom Hauptbahnhof an ihrem Wohnsitz an der Gustav-Winkler-Straße mit dem Opfer in Streit geraten sein.

Juristisches Gezerr

Der Grund dafür, warum dem 37-jährigen brutal mit Stiefeln massiv gegen Kopf und rechte Körperseite getreten wurde, soll bis heute unbekannt sein. Fest steht dagegen, dass die 32-Jährige den lebensgefährlich Verletzten vom Tatort an ihrem Wohnsitz auf den Gehweg der Gustav-Winkler-Straße brachte. Etwa 20 Meter vom Hauseingang entfernt soll der Sterbende im Freien abgelegt worden sein.

»Dabei soll die Angeklagte von Nachbarn beobachtet und zur Rede gestellt worden sein«, sagte Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg. Rechtsanwalt Alexander Klemme, der Verteidiger der 32-Jährigen, bestätigte: »Dass meine Mandantin den Mann rausgebracht hat, steht außer Frage.«

Trotzdem eröffnete das beim Landgericht für derartige Taten zuständige Schwurgericht per Beschluss vom 21. November 2017 nicht das Hauptverfahren gegen die Angeklagte. Die Richter sahen keinen hinreichenden Tatverdacht. Wie Gerichtssprecher Eisenberg sagte, fehlten im Spätherbst »die belastenden objektiven Beweise« gegen die Frau. Es gebe keine Augenzeugen der Gewalttat, die Spurenlage am Tatort sei »unergiebig« gewesen.

Urteil wird für Mitte Juli erwartet

Das Landgericht verwies daher den Fall ans Amtsgericht, wo nicht wegen eines Tötungsdeliktes, sondern lediglich wegen unterlassener Hilfsleistung gegen die 32-Jährige verhandelt werden sollte. Angesichts der zu erwartenden geringen Strafe wurde die Bielefelderin aus der Haft entlassen.

Die Staatsanwaltschaft legte beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm Beschwerde ein. Der wurde am 15. März stattgegeben, der Fall ging mit dem ursprünglichen Tatvorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge zurück ans Landgericht. »Das Oberlandesgericht hat aufgrund neuer Beweismittel auf einen hinreichenden Tatverdacht erkannt«, erklärt Gerichtssprecher Eisenberg die Kehrtwende.

Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Ein Urteil wird für Mitte Juli erwartet.

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