Weniger Aussteller aus der Region bei neu konzipierter Computermesse OWL-Firmen bleiben Cebit fern

Hannover (WB). Wenn die Computermesse Cebit in völlig neuem Format und erstmals im Juni in Hannover veranstaltet wird, fehlen viele Stammaussteller aus OWL. Vorneweg das Bielefelder Branchenschwergewicht Itelligence. Auch der Computerhersteller Wortmann aus Hüllhorst steht nicht auf der Ausstellerliste.

Von Oliver Horst
Bislang konzentrierte sich bei der Computermesse Cebit in Hannover das Geschehen auf die Stände in den Messehallen. Bei der ersten Auflage unter radikal verändertem Konzept vom 11. bis 15. Juni soll der Event-Charakter auch durch Freiluft-Aktivitäten Einzug halten.
Bislang konzentrierte sich bei der Computermesse Cebit in Hannover das Geschehen auf die Stände in den Messehallen. Bei der ersten Auflage unter radikal verändertem Konzept vom 11. bis 15. Juni soll der Event-Charakter auch durch Freiluft-Aktivitäten Einzug halten. Foto: dpa

Aber auch Unternehmen wie das IT-Systemhaus Lanos (Schloß Holte-Stukenbrock) und der Harsewinkeler Landtechnikhersteller Claas bleiben der Computermesse in diesem Jahr fern. Statt wie in den Vorjahren 40 bis 50 Aussteller aus OWL dürften es nur etwa halb so viele sein. Bei vielen Unternehmen ist die Skepsis groß, ob das radikal veränderte Messekonzept zu ihren Zielen passt.

Freiluftveranstaltung wie auf einem Campus

Die neue Cebit soll campusartig und zu einer Freiluftveranstaltung werden – abendliche Konzerte inklusive. Die Messegesellschaft spricht von einem »Business-Festival für Innovation und Digitalisierung«. Der Veranstalter erwartet 2500 bis 2800 Aussteller, darunter mehr als 350 Start-ups. Im Vorjahr wurden noch gut 3000 Unternehmen und 200.000 Besucher gezählt. In Spitzenzeiten Anfang der 2000er Jahre verzeichnete die Cebit rund 6500 Aussteller und bis zu 700.000 Besucher. »Die neue Cebit sei »schon vor ihrem Start ein Erfolg«, sagte aber Messechef Oliver Frese. Viele Branchengrößen hätten zugesagt.

Bei den OWL-Unternehmen sieht es anders aus. »Wir wünschen der Cebit, dass das neue Konzept aufgeht. Wir werden das in diesem Jahr aber nur mit Mitarbeitern als Trendscouts vor Ort beobachten und dann entscheiden, ob wir nächstes Jahr wieder dabei sind«, sagt Itelligence-Pressesprecherin Silvia Dicke. Der Bielefelder Konzern (872 Millionen Euro Umsatz/7000 Mitarbeiter) war bis 2014 noch mit fast 300 Quadratmetern Standfläche auf der Cebit präsent. In den vergangenen Jahren aber nur noch auf dem Stand des Partners SAP.

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Wir haben uns entschieden, stärker auf eigene Kunden-Veranstaltungen mit Experten in unseren Niederlassungen zu setzen.

Itelligence-Pressesprecherin Silvia Dicke

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»Wir haben uns entschieden, stärker auf eigene Kunden-Veranstaltungen mit Experten in unseren Niederlassungen zu setzen«, sagt Dicke. Im laufenden Jahr werde es 35 solcher Kongresse geben. Zudem sei Itelligence auf anderen Messen präsent – erstmals auch mit einem eigenen Stand auf der Hannovermesse Ende April.

Lanos setzt auf regionale Messen

»Durch den neuen Termin und angesichts des angestrebten Event-Charakters wissen wir nicht, ob unsere Zielgruppe noch zur Cebit kommt«, sagt Lanos-Geschäftsführer Hans-Jürgen Fockel. Sein Unternehmen werde erstmals nach neun Jahren in Folge »mit wachsenden Besucherzahlen und guter Qualität« nicht in Hannover vertreten sein. »Wir setzen stattdessen in diesem Jahr auf regionale Messen.« Gleichwohl werde Lanos die Cebit genau beäugen. »Ich wünsche ihr einen durchschlagenden Erfolg, glaube es aber nicht«, sagt Fockel. »Einer Weltmesse eine völlig neue Konzeption zu geben, ist sehr mutig.«

Für Landtechnikhersteller Claas endet nach vier Jahren die Cebit-Präsenz, die erst auf Einladung des Veranstalters begann. »Bei der Cebit stand für uns im Blickpunkt, Sichtbarkeit zu zeigen, um IT-Kräfte zu gewinnen. Für den Vertrieb war die Messe kaum relevant«, sagt Pressesprecher Wolfram Eberhardt.

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Wir werden auf dem Kodak-Stand mit vertreten sein, um Präsenz zu zeigen.

Scanfabrik-Vertriebschef Mike Markovski

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Die auf Dokumentenmanagement-Lösungen spezialisierte Scanfabrik (Verl) fährt ihr Engagement deutlich zurück. »Wir werden auf dem Kodak-Stand mit vertreten sein, um Präsenz zu zeigen«, sagt Vertriebschef Mike Markovski. Es falle schwer, die Entwicklung der Messe mit der neuen Ausrichtung abzuschätzen. Die klassische Plattform für Begegnungen mit Geschäftspartnern sieht Markovski unter den neuen Voraussetzungen nicht gegeben. »Wir müssten ein komplett neues Konzept auflegen, das mit ganz anderen Kosten verbunden wäre.«

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