1300 Besucher verfolgen das »Fame Lab«-Bundesfinale in der Rudolf-Oetker-Halle Gute Viren und intelligente Mäuse

Bielefeld (WB). Wenn das Wort Virus fällt, dann denkt man meistens an die hässliche Fratze von Ebola oder Aids. Das Viren aber nicht nur böse, sondern auch gut sein können, offenbarte Dr. Veli Vural Uslu beim Deutschlandfinale des Wettbewerbs »Fame Lab«. Er konnte damit den 1. Preis und somit eine Teilnahme beim Cheltenham Science Festival in England mit den Siegern aus 29 weiteren Ländern gewinnen.

Von Kerstin Panhorst
Dr. Veli Vural Uslu aus Heidelberg konnte die Jury überzeugen und sicherte sich den 1. Preis.
Dr. Veli Vural Uslu aus Heidelberg konnte die Jury überzeugen und sicherte sich den 1. Preis. Foto: Kerstin Panhorst

Der auf dem Gebiet Mausentwicklungsgenetik und Pflanzenstoffwechsel an der Universität Heidelberg forschende Wissenschaftler begeisterte mit seinem Enthusiasmus und seiner leicht verständlichen Erklärung die Jury um Germanistin Alisa Kienberger (British Council), Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk (Präsidentin FH Bielefeld), Schauspielleiter Christian Schlüter (Theater Bielefeld) und Mathematiker Prof. Dr. Moritz Kaßmann (Universität Bielefeld).

Zum siebten Mal fand das Bundesfinale des internationalen Wettbewerbs in Bielefeld statt, schließlich hat das Wissenschaftsbüro der Bielefeld Marketing GmbH den Wettstreit 2011 gemeinsam mit dem British Council nach Deutschland geholt.

Dr. Sara Bragado Alonso auf Platz zwei

100.000 Viren sind im menschlichen Genom und machen rund acht Prozent der menschlichen DNA aus, erklärte er dem verblüfften Publikum. Als Fleisch gewordener guter Virus, der Proteine produziert, die den Fötus im Mutterleib mit genügend Nahrung versorgen oder der für eine Diversität und Farbenpracht bei holländischen Tulpen verantwortlich ist, lieferte Uslu eine überzeugende Darbietung ab.

Auf dem zweiten, mit einer Teilnahme an einer nationalen Fachkonferenz für Wissenschaftskommunikation dotierten Platz landete Dr. Sara Bragado Alonso von der Technischen Universität Dresden. Die Neurobiologin erklärte, wie Stammzellen dazu angetrieben werden können, sich zu Neuronen im Gehirn auszubilden und damit eine Heilungschance bei Parkinson oder Alzheimer sein könnten. Bei Mäusen konnte so schon eine kognitive Steigerung erreicht werden – die kleinen Forschungssubjekte sind bereits intelligenter geworden und lösen Puzzle und Labyrinthe deutlich schneller.

Besucher stimmten auch ab

Neben der Jury machten auch die 1300 Besucher in der Rudolf-Oetker-Halle von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Der Publikumspreis beim inzwischen ging an den Immunologen Nicola Mitwasi vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Er beleuchtete den großen Kampf des Immunsystems gegen Krebs und stellte die so genannten Car-Zellen vor, körpereigene Immunzellen, die genetisch so modifiziert werden, dass sie Krebszellen im Körper finden und sich dann nicht nur aktivieren, sondern auch multiplizieren.

Auch die anderen sieben Gewinner der fünf regionalen Vorentscheide aus Bielefeld, Karlsruhe, Berlin/Potsdam, Regensburg und Dresden, die im Finale antraten, um einem Laienpublikum komplexe wissenschaftliche Themen und Zusammenhänge zu erklären, hatten faszinierende und ungewöhnliche Themen vorbereitet: Reparaturpatches für Rotorblätter von Windkrafträdern, die mit Hilfe eines Rosinenbrötchens erklärte Theorie vom Big Bounce, einem alten Universum, das sich im Gegensatz zur Big Bang Theory nicht ausdehnt, sondern zusammen zieht, eine Herkunftsbestimmung mittels Isotopen in Paprika, Picasso-Gemälden oder auch chemischen Waffen oder ein sich auf Madagaskar ähnlich einem Tumor ausbreitender Marmorkrebs.

Dies alles musste von den Teilnehmern aus den Bereichen der Natur- und Technikwissenschaften unter dem Motto »Talking Science« in maximal drei Minuten korrekt, für den Laien verständlich und möglichst unterhaltsam erklärt werden.

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