Weniger Zugausfälle – Verkehrsverbund führt »Treuebonus« ein Und die Eurobahn fährt doch

Bielefeld (WB). Mehr Personal und weniger Zugausfälle: Die seit Monaten heftig kritisierte Eurobahn hat endlich Fortschritte gemacht.

Von Dietmar Kemper
Die Eurobahn hatte in den vergangenen Monaten wegen zahlreicher Zugausfälle und miserabler Information der Fahrgäste bei ihren Kunden Vertrauen und Kredit verloren. Inzwischen scheint sie die heftige Kritik ernst genommen zu haben.
Die Eurobahn hatte in den vergangenen Monaten wegen zahlreicher Zugausfälle und miserabler Information der Fahrgäste bei ihren Kunden Vertrauen und Kredit verloren. Inzwischen scheint sie die heftige Kritik ernst genommen zu haben. Foto: Christian Köster

»Die Zugausfälle konnten im März unter ein Prozent reduziert werden«, sagte Nils Werner bei der Versammlung des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) in Bielefeld. Mitarbeiter Werner hatte die Situation im Teutoburger-Wald-Netz analysiert und attestierte dem Unternehmen Keolis, es habe »viele Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung eingeleitet«, Personal eingestellt, ausgebildet und geschult und jetzt alle 26 Fahrzeuge im Netz im Einsatz. Die Leitstelle sei um ein Team für die Information der Fahrgäste erweitert worden.

Die Auskünfte sind aber immer noch mangelhaft, denn dass den Inhabern von Zeitkarten für Zugausfälle ein halber Monatsbeitrag als Entschädigung angeboten wird, hat das Unternehmen nach Angaben des VVOWL nicht laut und deutlich verkündet. Nils Werner zog deshalb dieses Fazit: »Es ist besser geworden, aber wir müssen aufpassen, dass es so bleibt und noch besser wird.«

Keolis hatte im Juli 2015 den Zuschlag für das Teutoburger-Wald-Netz mit fünf Linien bekommen und im Dezember 2017 den Betrieb übernommen. Allerdings so schlecht, dass es massenhaft Kundenbeschwerden gab und der Nahverkehrsverbund Westfalen-Lippe (NWL) Keolis am 7. Februar 2018 abgemahnt und dem Unternehmen eine Frist bis zum 31. März gesetzt hatte, um die Mängel zu beseitigen. Das scheint gewirkt zu haben.

Teilsperrungen ab Juni

Nichts können die Eurobahn und anderen Verkehrsunternehmen dagegen für die massiven Behinderungen, die auf Fahrgäste wegen Brückensanierungen im Großraum Bielefeld-Lage zukommen. Wie berichtet, wird es von Juni an zu Teilsperrungen, längeren Fahrtzeiten und häufigeren Umstiegen kommen – und das für mindestens 16 Monate.

Von Streckensperrungen betroffen sind die Zuglinien RB 74 (Bielefeld-Paderborn), RB 75 (Bielefeld-Halle-Osnabrück) und RE 82 (Bielefeld-Detmold-Altenbeken). Während der ersten Bauphase ist der Abschnitt Brackwede–Bielefeld für die RB 74 und RB 75 gesperrt, beide Linien enden und beginnen in Brackwede.

Treuebonus gegen Frust

Damit Bahnfahrer nicht frustriert ihre Abos kündigen und aufs Auto umsteigen, führt der VVOWL einen »Treuebonus« ein. Und zwar nach folgendem Modell: Abokunden, die nach Beginn der Bauarbeiten nicht innerhalb von sechs Monaten kündigen, bekommen zwei Monate erstattet. Als Werbeslogan ist vorgesehen: »Wer uns treu bleibt, erhält 2 Monate gratis.«

»Wenn ein Kunde erst einmal gekündigt hat, kommt er so schnell nicht wieder. Wir hoffen, dass möglichst viele Stammkunden durch den ›Treuebonus‹ ihr Abo nicht auf Eis legen«, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des VVOWL, Stefan Honerkamp. Wenn es soweit ist, sollen leidgeplagte Bahnkunden entsprechende Anträge auf Erstattung stellen können. Außerdem ist eine Website geplant, die über die Modalitäten der »tariflichen Abfederung bei Großbaustellen«, wie es im Amtsdeutsch heißt, informiert.

Personell ist der VVOWL seinerseits eine Baustelle. Der langjährige Geschäftsführer Ludger Siemer (62) geht aus gesundheitlichen Gründen zum 1. Juli 2018. Seine Nachfolge soll nach dem Willen der Verbandsversammlung bis zum Sommer 2020 geregelt sein. Bis dahin übernimmt Siemers Stellvertreter Stefan Honerkamp die Aufgaben kommissarisch. Dessen Stellvertreter wiederum wird Kai Schulte.

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