Neues Netzwerk will Projekte angehen – auch Boulevard im Visier »Luft nach oben« bei der gefühlten Sicherheit

Bielefeld (WB). Die Statistik sei klar, sagt Oberbürgermeister Pit Clausen: Danach gehört Bielefeld zu den sichersten Großstädten Deutschlands. Aber: Nichts, was nicht noch besser werden kann. Und: »Bei der gefühlten Sicherheit ist noch Luft nach oben.« Ein neues Netzwerk mit dem Titel »Bielefeld? – Ja, sicher!« soll die objektive Sicherheitslage und das subjektive Gefühl noch verbessern.

Von Sabine Schulze
Der Boulevard ist ein »Hotspot«, entsprechend zeigt die Polizei Präsenz.
Der Boulevard ist ein »Hotspot«, entsprechend zeigt die Polizei Präsenz. Foto: Thomas F. Starke/Archiv

Es sind viele Partner, die sich hier zusammen gefunden haben, um gemeinsam und koordiniert zu agieren: Polizeipräsidium, Bundespolizei, Mobiel, Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Bielefeld Marketing, Altstadtkaufleute, Gewerbetreibende von der Partymeile Boulevard, Universität und die Stadt selbst. Weitere Partner sind willkommen. Organisiert wird das Netzwerk vom Sozial- und Kriminalpräventiven Rat (SKPR) der Stadt.

Für dieses Jahr hat sich das Netzwerk zwei Projekte vorgenommen: den öffentlichen Personennahverkehr und die Situation auf dem Boulevard . Dort komme es immer wieder zu Situationen, so Clausen, in denen sich Menschen bedrängt fühlen. Schon jetzt, betont Ivo Klumpp (Stereo), würden die Beschäftigten geschult, zu deeskalieren und auch mit schwierigen Menschen und Situationen umzugehen. Das soll intensiviert werden. »Die Security ist in einer nicht ganz homogenen Gesellschaft das wichtigste Element in einem Club«, sagt Thomas Keitel, Geschäftsführer des Dehoga.

»Sie müssen die Hemmschwelle überwinden, uns um Hilfe zu bitten.«

Klumpp ergänzt, dass nach seiner Erfahrung allerdings das größte Problem sei, den Gästen klar zu machen, dass jeder Mitarbeiter für sie in einer kritischen Situation Ansprechpartner ist. »Sie müssen die Hemmschwelle überwinden, uns um Hilfe zu bitten.« Bei gravierenden Problemen habe man zudem einen sehr kurzen Draht zur Polizei. Um die Gäste auch wirklich zu erreichen, erklärte Thomas Niekamp (SKPR), sollen zum Beispiel Plakate an den Innentüren der Toiletten angebracht werden.

Plakate sollen auch in Bussen und Bahnen die Fahrgäste informieren, wie sie sich in unangenehmen Situationen verhalten können oder wie sie Hilfe bekommen, wenn es brenzlig wird. »Wir haben zum Beispiel an jeder Tür Sprechstellen, die mit dem Fahrer verbinden«, sagt Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann. Servicekräfte können zudem zu Haltestellen beordert werden. Die wiederum, so Niekamp, könnten teilweise heller und angenehmer gestaltet werden.

»Wir wollen Verhaltenstipps geben«

»Wir wollen Verhaltenstipps geben, eine Verhaltensänderung anstoßen und erreichen, dass sich die Menschen auch umeinander kümmern. Gefragt sind Zivilcourage und eine Kultur des Hinsehens«, sagt Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere. Eine Videoüberwachung ist allerdings kein Thema: »In Bielefeld gibt es keinen einzigen öffentlichen Ort, an dem die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind«, betonen Clausen und Giere. Im Hauptbahnhof, in Stadtbahnen und Züge sieht das anders aus. »Videoüberwachung wirkt da insgesamt durchaus präventiv. Und sie ist richtig erfolgreich bei der Strafverfolgung«, sagt Frank Rauch von der Bundespolizei.

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