Guido Wachter spielt Vermittler, Stimme der Bürger, Warner in der »Orestie« »Der Chor« als Solopart

Bielefeld(WB). Am Anfang, sagt Schauspieler Guido Wachter (47), am Anfang sei er skeptisch gewesen. Am Anfang, das war, als er erfuhr, dass er, er allein, »den Chor« darstellen sollte in der griechischen Tragödie »Die Orestie«, die mit ihrer Uraufführung im Jahr 458 vor Christi immerhin schon 2500 Jahre auf dem Buckel hat. Premiere im Bielefelder TAM ist an diesem Freitag.

Von Burgit Hörttrich
Guido Wachter spielt in »Die Orestie« den chor der Bürger und Warner als Solo-Part. Premiere: 16. März im TAM.
Guido Wachter spielt in »Die Orestie« den chor der Bürger und Warner als Solo-Part. Premiere: 16. März im TAM. Foto: Bernhard Pierel

Inzwischen ist Wachter begeistert von der wuchtigen Sprache, von der griffigen Übersetzung (Peter Stein, 1980), davon, welche Funktion er, der Chor, einnimmt. Er ist die Stimme der Bürger, Vermittler des Geschehens, Warner und er gibt zu Beginn einen kleinen, wie er sagt, »fast schon kabarettistischen« – Abriss der Familiengeschichte. »Die Orestie« ist schließlich ein Horrorstück, in dem jede Menge Blut fließ. Die Rachegöttinnen fordern immerzu Vergeltung: »Zahlen muss du, Schlag um Schlag, Mord um Mord, Recht um Recht, Schuld um Schuld.« Die Verse des Aischylos sind in Prosa übersetzt und so sei es gut möglich, sprachlich zu folgen, ist Guido Wachter überzeugt: »Die Geschichte entwickelt ihren eigenen Sog.«

»Was bisher geschah«

Ein »Was bisher geschah« sei auf jeden Fall nötig, sagt Wachter. Schließlich kenne nicht mehr jeder die Tragödie aus dem klassischen Altertum. Die geht so: König Agamemnon hat seine Tochter Iphigenie für günstige Winde, die ihn nach Troja bringen sollten, den Göttern geopfert und trägt so die Erbschuld, den Fluch, der auf seiner Familie lastet, weiter. Als Agamemnon als siegreicher Held heimkehrt, tötet ihn seine Frau Klytaimnestra, die den Tod der Tochter nicht verzeihen kann, hinterrücks. Die Stadt stöhnt unter ihrer und ihres Geliebten Aigisthos’ Willkürherrschaft – bis der verschollene Sohn Orest zurück kehrt und beide erschlägt, um den Vater zu rächen. Fortan wird Orest von den Rachegöttinnen gejagt, bis Athene eingreift und das Prinzip der individuellen Rache beendet: mit dem ersten überlieferten Gerichtsprozess der Menschheitsgeschichte.

Guido Wachter sagt, er finde es spannend, den »Gründungsmythos der Demokratie« auf der Bühne zu zeigen, den Untergang der Tyrannei. Der Chor habe zunächst nur kommentierende Funktion, greife aber mehr und mehr in die Handlung ein und nehme Einfluss auf die Akteure. Wie die Regisseure Tim Tonndorf und Robert Hartmann an den Stoff herangegangen seien, sei ungewöhnlich, aber schlüssig. Wachter sind antike Tragödien nicht fremd: Er spielte in Linz in »Medea« und in Oldenburg in »Antigone«, bevor er 2009 nach Bielefeld kam.

Im Anschluss an die Premiere gibt es weitere Aufführungen von »Die Orestie« am 18., 27. März, 21. April, 21., 22, 28. 29. Juni.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.