Adoro unterhalten 1200 Besucher in der Bielefelder Stadthalle Starke Stimmen, schwache Inszenierung

Bielefeld (WB). »Ist da jemand?«, singen Adoro von der hell erleuchteten Bühne ins Dunkle des Saals hinunter und bekommen den Applaus von 1200 Besuchern zur Antwort. Mit Pop, Klassik und Oper gastierte das Quartett am Freitag in der Bielefelder Stadthalle .

Von Kerstin Panhorst
Adoro präsentierten sich in der Stadthalle stimmgewaltig mit Coverversionen beliebter deutscher Poplieder.
Adoro präsentierten sich in der Stadthalle stimmgewaltig mit Coverversionen beliebter deutscher Poplieder. Foto: Kerstin Panhorst

Sie mischen mehrere Stilrichtungen – der Bassbariton Peter Dasch, der Bariton Nico Müller und der Tenor Assaf Kacholi hatten in Bielefeld zahlreiche beliebte und bekannte deutsche Lieder dabei, die sie in ihrer ganz eigenen Bearbeitung präsentierten. Nur der Bariton Jandy Ganguly, der vierte im Bunde, musste krankheitsbedingt die Tournee unterbrechen – für ihn stand Robert David Marx auf der Bühne.

Den kurzfristigen Ausfall eines Mitglieds konnte die 2007 gegründete Formation aber gut kompensieren. Live spürte und hörte man vor allem nichts von diesem Tausch: Marx und seine drei Kollegen zeigten sich als eingespieltes Team, in dem jeder Ton, jede Harmonie und jede Choreographie sitzt. Allerdings liegt in diesem Hang zur Überperfektionierung auch die Crux. Wo andere Sänger mit dem einen oder anderen schiefen Ton, einem Raunzen oder Nuscheln echte Emotionen mit ihren Stimmen transportieren können, bleibt Adoro nur die Inszenierung von Gefühlen.

Abhängig vom Lied passt das mal mehr, mal weniger gut. Eine Coverversion von Sarah Connors »Wie schön du bist« verträgt die pathetische Erhöhung, weil im Lied selbst schon die plakative Gefühlsduselei vorgesehen ist – das ist dann auch live eine gelungene Sache. Ganz anders Heinz Rudolf Kunzes »Dein ist mein ganzes Herz«, das Adoro bereits gemeinsam mit Helene Fischer aufgenommen haben. Ein wenig scheinen die Schlagermanierismen der Dame abgefärbt zu haben, so dass die Herren auf affektiertes Gehabe und ausladende Gesten sowie auf eine Choreographie setzen, die nach 70er-Jahre-Unterhaltung aussieht. Damit aber führen sie dieses so herrlich unpathetische Liebeslied ad absurdum und degradieren es mit viel zu viel Kitsch zu einer belanglosen Nummer.

Ewiggleiches musikalisches Hörerlebnis

Dem begleitenden Orchester und auch Adoro selbst kann man dabei wohl keinen Vorwurf machen, denn sie spielen und singen auf den Punkt genau. Die Inszenierung selbst ist das Problem. Dazu kommen die leicht ideenlos wirkenden Arrangements, die gleichbleibenden Harmonien die auf jeden gecoverten Titel angewandt werden und das Ganze zu einem zwar recht eingängigen, aber dann doch ewiggleichen musikalischen Hörerlebnis machen. Glücklicherweise tröstet die Qualität der Musiker weitgehend über diese Schwäche hinweg, und die einschmeichelnden, samtigen Stimmen des Quartetts lassen die Einförmigkeit dieser Präsentation vergessen. Außerdem haben Adoro mit »Über sieben Brücken« der DDR-Gruppe »Karat«, mit Stücken von Adel Tawil und auch mit Andreas Bouranis Hymne »Auf uns«, bei der die Konzertbesucher begeistert mitklatschen, zahlreiche Hits im Programm, die sowieso gut ankommen und für vieles entschädigen.

Und zur Auflockerung lassen die Sänger gerne mal ihren Charme spielen. Die vier unterhalten ihr Publikum nicht nur mit ihrem schmelzenden Gesang, sondern auch mit kleinen Zwischenmoderationen und Anekdoten aus ihrer über zehn Jahre währenden Karriere.

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