WESTFALEN-BLATT-Aktion: Leser und Förster kommen im Wald ins Gespräch Mit Experten auf dem Holzweg

Bielefeld (WB). Das Thema Wald begeistert die Bielefelder. Holger-Karsten Raguse, Leiter des Regionalforstamtes, war angetan: »Wir hatten viel Spaß, das Interesse hat uns überwältigt.« Sonntagmorgen machten mehr als 60 Männer, Frauen, Wanderbegeisterte und Naturfreunde den zweiten WESTFALEN-BLATT-Waldspaziergang zu einem großen Erfolg.

Revierförster Erhard Oehle informierte die Teilnehmer des Waldspaziergangs über den Forst und die Forstwirtschaft.
Revierförster Erhard Oehle informierte die Teilnehmer des Waldspaziergangs über den Forst und die Forstwirtschaft. Foto: Thomas F. Starke

Die Unsicherheit ob der erheblichen Orkanschäden nach »Friederike« hatte bei der Planung der zweiten Aktion des WESTFALEN-BLATTES mit dem Regionalforstamt die Kurzfristigkeit bei der Anmeldung nötig gemacht. Es tat der Resonanz keinen Abbruch. Im Gegenteil. Viele Teilnehmer, erfuhr Revierförster Erhard Oehle beim Start des Rundgangs am Naturfreundehaus Teutoburg in Ubbedissen, hatten eigentlich schon auf die Einladung gewartet.

»Es ist eine tolle Sache. Klasse, dass man so viel nachfragen kann«, freuten sich Anja und Bernd Günther aus Quelle. Sie wohnen am Wald, hätten die Natur vor der Tür, aber eben nicht immer einen Forstfachmann zur Hand, der auch noch launig und fundiert zugleich Fragen aus dem Publikum beantwortet oder ganz beiläufig gelassen Dinge am Wegesrand erklärt.

20 Prozent Wald in OWL

Einige wenige Teilnehmer waren zum zweiten Mal dabei. So wie Kathrin Schütte aus Lämershagen. Die junge Waldbesitzerin hatte gleich ihre komplette Frauenwandergruppe aus der Region im Schlepptau: »Anschließend laufen wir noch einige Kilometer weiter. So wie jeden zweiten Sonntag im Monat.«

»Wir sind froh, dass wir die Gelegenheit bekommen, das Thema Wald vor Ort zu erklären«, betonte Holger-Karsten Raguse bei seiner Begrüßung. Der neue Leiter des Regionalforstamtes gab den Teilnehmern einen Überblick über die Bedeutung des Waldes, immerhin 20 Prozent der Fläche von OWL. Ohne die Zivilisation bestünde die Landschaft vornehmlich aus Buchenwald. Tatsächlich dominiert aber 2018 der Mischwald, ein Mix aus Nadel- und Laubholz. Am stärksten nachgefragt ist gerade Eiche. Raguse: »Ohne die vertraute Bewirtschaftung durch Menschen gäbe es viel monokulturelle Waldgesellschaften, die wachsen wie Getreidefelder, mit nur wenigen Baumarten.«

Verjüngung der Bäume

Die Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit Waldnutzern hatte Andreas Krumme. Der Vorsitzende der Bielefelder Forstbetriebsgemeinschaft, des Zusammenschlusses von 240 der 360 privaten Waldbesitzer allein in Bielefeld, erklärte die Funktion der Vermarktungsgesellschaft, über die Werbung und Bearbeitung des Holzes möglichst günstig koordiniert werden können.

Der Rundgang in Gruppen mit den Förstern führte die Teilnehmer vom Naturfreundehaus durch Privatwald und schließlich zum Wertholzplatz am Nordhang des Teutoburger Waldes. Dabei erfuhr man interessante Fakten über die Naturverjüngung, den Nachwuchs junger verschiedenster Baumarten unter dem Dach der älteren stattlichen Bäume. Bewirtschaftung, das Herausnehmen von Bäumen, so Raguse, sei hier unverzichtbar, damit sich andere Bäume entwickeln könnten und der Waldboden genug Licht bekomme.

Downhiller und Geocacher problematisch

Was die Förster freut: Immer mehr Waldbesitzer überlassen Teile ihres Waldes der Natur. Den Wirtschaftsfaktor Holz erlebten die Teilnehmer dann auf dem Wertholzplatz, wo die aktuell noch 600 Festmeter feinster verkaufter Eichenstämme auf Abholung warten, wie im Schaufenster. Nicht unerwähnt ließ Revierförster Erhard Oehle Bedenken, wie es mit dieser Wertholzversteigerung weitergeht. Kartellrechtlich bedingt müssen Landesbetrieb und Privatwaldbesitzer Alternativen zum aktuellen Verfahren finden.

Wichtiges Thema ist der Freizeitraum Wald, den fast alle Bürger nutzen. Seit 1969 gilt ein allgemeines Waldbetretungsrecht. Spaziergänger sind willkommen. Der Umgang mit Downhillern oder Geocashern ist problematisch. Warum so ein Waldrundgang wie am Sonntag so wichtig ist, betont Holger-Karsten Raguse: »Er steht für etwas mehr Gelassenheit und miteinander reden. Und das schafft Verständnis.«

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