IHK-Spitze fordert von den Politikern »endlich mutiges Handeln« Boomendes Bielefeld hat keine Gewerbeflächen mehr

Bielefeld (WB). IHK-Präsident Wolf D. Meier Scheuven fordert von der Bielefelder Politik Mut und Entschlossenheit, wirtschaftsfördernde Projekte anzugehen. Die Wirtschaft im Oberzentrum ist mit Schwung ins neue Jahr gestartet, die Konjunktur brummt. Aber: Bielefelds Gewerbeflächen sind 2018 faktisch ausverkauft.

Von Michael Diekmann
Ausgebucht: Das Gewerbegebiet am Ostring dokumentiert Bielefelds größtes Problem – fehlende Gewerbeflächen.
Ausgebucht: Das Gewerbegebiet am Ostring dokumentiert Bielefelds größtes Problem – fehlende Gewerbeflächen. Foto: Thomas F. Starke

»Es fehlt das klare Bekenntnis der Politik für eine wachsende Stadt«, sagt Wolf D. Meier-Scheuven. Dabei benötigte gerade die Vielzahl der prosperierenden Unternehmen für ihre Entwicklungsmöglichkeiten Gewerbeflächen. Der IHK-Präsident, der gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff im Nachgang auf die regionale IHK-Konjunkturumfrage Bielefeld noch einmal detailliert unter die Lupe genommen hatte, fordert von der Stadt und ihren Politikern dringend Maßnahmen.

Dazu gehört auch Entschlossenheit in der Konversion. Meier Scheuven verweist auf die Nachbarstädte Herford und Gütersloh als positive Beispiele, wo ehemalige Kasernenflächen bereits für Wohnen und Gewerbeflächen beplant werden. Entsprechend könnten kommunale Vorkaufsrechte geltend gemacht werden. Meier Scheuven: »Es geht bei den Flächen ja nicht nur um den Wohnraumbedarf, auch um Arbeitsplätze für die Menschen.«

Die Flächenproblematik ist für den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Harald Grefe brennend aktuell, politischer Rückenwind sei dringend geboten. Zumal der Gewerbeflächenbedarf bei 230 Hektar Nettobaufläche liege. Experten sehen mit Freigabe der A33 in den Altkreis für Bielefeld das Abwandern weiterer Unternehmen ins verkehrlich gut erschlossene Umland.

Klimaindex bei den 404 befragten Unternehmen ist gestiegen

In Sachen Konjunktur geben die Unternehmer fast durchweg positive Standortbestimmungen ab. Der Klimaindex bei den 404 befragten Unternehmen mit 24.000 Beschäftigten ist gegenüber dem Herbst noch einmal gestiegen. Vielfach getragen ist das Wachstum von hohen Exportquoten. Die Zukunftserwartungen sind hoch. In 42 Prozent der Industriebetriebe sieht man die Geschäftslage als gut an, ebenso viele rechnen mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage.

Weil fast die Hälfte der Industriebetriebe auch Beschäftigung aufbauen wollen, gilt Fachkräftemangel momentan als das größte Risiko der weiteren Entwicklung. Es gelte deshalb, sagt Thomas Niehoff, entschlossen auch die duale Ausbildung zu fördern. Den Strukturwandel in Bielefeld insgesamt dokumentiert die IHK mit einer Langzeitbetrachtung. Danach hat die rasante Entwicklung des Dienstleistungssektors in hohem Maße den Verlust an Arbeitsplätzen im Industriesektor aufgefangen. Allein zwischen 1991 und 2001 waren hier fast 20.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

»Professionelles Baustellenmanagement und kurze Bauzeiten haben höchste Priorität«

Rückblickend bis 1973 fehlen Bielefeld sogar 40.000 Industriebeschäftigte, die Zahl der Unternehmen sank von 414 auf 174 im Verarbeitenden Gewerbe. Niehoff: »Erfreulich ist, dass die Industrie in Bielefeld aktuell 800 zusätzliche Arbeitsplätze wieder aufgebaut hat. Da ist der Rückgang gestoppt.« Große Entwicklungsperspektiven sieht man auch für den Hochschulcampus und die Medizinische Fakultät sowie die Gründerszene.

Alarmzeichen am Standort Bielefeld sieht die IHK vornehmlich in thematischen Dauerbrennern. Man sorgt sich um die verkehrliche Erreichbarkeit der Innenstadt. Die Diskussion um den Jahnplatz und der drohende Baustellen-Marathon seien eine echte Herausforderung. Meier Scheuven: »Professionelles Baustellenmanagement und kurze Bauzeiten haben höchste Priorität.«

Der geplante einstreifige Verkehrsversuch auf dem Jahnplatz sollte laut IHK ausgesetzt werden, bis sich die extreme Baustellenlage verbessert hat. Zumal das Faktenpapier »Saubere Luft« des DIHK belege, dass die Schadstoffbelastung seit Jahren abnehme. Man werde sich als IHK weiterhin dafür einsetzen, dass der Wirtschaftsverkehr durch Fahrverbote und Durchfahrtsbeschränkungen nicht weiter ausgebremst werde.

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