Psychisch kranker Alkoholiker liefert merkwürdige Erklärung für Brand Mit Zigarette eingeschlafen?

Bielefeld (WB/uko). Einem Musiker aus Bielefeld droht nach dem Brand seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus die Unterbringung in der Psychiatrie. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er habe den Brand an drei Stellen selbst gelegt, wies der Mann nun vor dem Landgericht zurück.

Berufsfeuerwehr und Löschabteilungen kämpften am Morgen des 11. Mai 2017 verzweifelt gegen die Flammen: Am Wellensiek brannte die Dachgeschosswohnung dieses Hauses aus. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 150.000 Euro.
Berufsfeuerwehr und Löschabteilungen kämpften am Morgen des 11. Mai 2017 verzweifelt gegen die Flammen: Am Wellensiek brannte die Dachgeschosswohnung dieses Hauses aus. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 150.000 Euro.

Es waren zwei Polizeibeamte, die am Morgen des 11. Mai 2017 als erste am Brandort an dem Dreifamilienhaus am Wellensiek eintrafen. Sie kümmerten sich um einen augenscheinlich verletzten Mann, der prompt in eine Klinik transportiert wurde. Am Brandherd im Dachgeschoss des Hauses löschten 40 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und diverser Löschabteilungen die Flammen. Allerdings konnte ein Sachschaden in Höhe von 150.000 Euro nicht verhindert werden.

2,4 Promille standen im Gutachten

Während die Kriminalpolizei in dem Gebäude nach der Brandursache suchte, wurde recht bald klar, dass der Verletzte massiv unter Alkoholeinfluss stand. 2,4 Promille standen im Gutachten, das ein Indiz gegen den Bewohner des Dachgeschosses zu sein schien. Im übrigen fand ein Brandsachverständiger, den die Polizei eingeschaltet hatte, in seiner Wohnung an drei Stellen Spuren, dass der Brand dort gelegt worden sei. Seit Mittwoch sitzt der 52-Jährige nun vor der 2. Strafkammer des Landgerichts – wegen des Verdachts der Brandstiftung. Dagegen wehrt sich der Mann, der seit »acht Jahren obdachlos« gewesen sei, der abends stets in Bielefelder Kneipen anzutreffen war und dort nach eigenen Angaben Gitarrenmusik machte.

»Zu dem Vorwurf kann ich wenig sagen«, meinte der Bielefelder, denn er habe »keine Ahnung, wie der Brand entstanden ist«. Er könne sich nur vorstellen, dass das Feuer »fahrlässig« entstanden sei; etwa, dass er mit der Zigarette auf dem Sofa eingeschlafen sei, im Schlafzimmer hingegen »eine Kerze umgekippt ist«. Es übersteige »meine Vorstellungskraft, dass ich meine Existenz aufs Spiel gesetzt habe«. Jedoch gab er zu, am Vortag nach einer Flasche Rotwein, fünf halben Liter Bier und »zwölf Schnäpsen« in einer Kneipe wohl »stramm gewesen« zu sein.

Crux des Verfahrens ist die psychische Erkrankung des Mannes, der zum Zeitpunkt des Brandes unter einer »manischen Episode mit parathymen psychotischen Symptomen« gelitten haben soll. Wegen dieser Krankheit und dem Alkoholismus des Musikers erwägt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie. Der Prozess wird fortgesetzt.

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