Sogar Interessenten aus China kommen zur Wertholz-Submission »Eine solche Versteigerung muss eine Zukunft haben«

Bielefeld (WB). Das bisherige Verfahren ist umstritten. »Eine Versteigerung mit solchen Holzqualitäten muss aber eine Zukunft haben«, meint Holger-Karsten Raguse. Der OWL-Chef des Landesbetriebs Wald und Holz versprach bei der 45. Auktion in Bielefeld alternative Konzepte für die künftige Vermarktung von Wertholz.

Von Michael Diekmann
Imposant: Die mächtigen Eicheneinzelstämme stammen aus ganz OWL und sind wegen ihrer ausgezeichneten Qualität von Sägewerken und Möbelmanufakturen gleichermaßen gefragt. Gestern werteten Waldbesitzer und Förster die Auktion aus.
Imposant: Die mächtigen Eicheneinzelstämme stammen aus ganz OWL und sind wegen ihrer ausgezeichneten Qualität von Sägewerken und Möbelmanufakturen gleichermaßen gefragt. Gestern werteten Waldbesitzer und Förster die Auktion aus. Foto: Bernhard Pierel

Die Holzversteigerung, Submission genannt, ist eine Art Messe und zeigt die Leistungsstärke der heimischen Waldwirtschaft. Auf dem Wertholzplatz in Bielefeld-Ubbedissen werden seit 1989 die besten Stücke aufgefahren und wie auf dem Laufsteg präsentiert.

Die Branche kennt die Adresse genau. In diesem Frühjahr waren sogar Interessenten aus China vor Ort. Vornehmlich Holzsägewerker und Lieferanten an die hochwertige Möbelproduktion bieten um die besten Stücke, die aus Privatwald, städtischen Forsten Bielefeld und Bad Salzuflen sowie dem Fürstlichen Wald Bentheim-Tecklenburg angeliefert werden.

Zahl der Bieter ist deutlich gestiegen

Was die Bedeutung der Versteigerung unterstreicht: Es wurden pro Festmeter (Kubikmeter) Holz im Schnitt 20 Euro mehr gezahlt als 2017. Und die Zahl der Bieter ist deutlich gestiegen. Im Verhältnis zu den 140.000 Festmetern Jahreseinschlag in ganz OWL ist das Angebot der präsentierten 590 Festmeter nur ein Promillebereich, sagt Raguse. »Aber es ist eben die absolute Spitzenqualität.« Da gibt es schon mal zwölf Bieter auf einen Stamm. Und am Ende einen »Wahnsinnspreis«. Für eine mächtige Eiche aus Tecklenburg zahlt ein Käufer 969 Euro pro Kubikmeter Holz, 3380 Euro für den ganzen Stamm. Holz dieser Güte wird oft Konferenztisch, Esstisch oder ein Einzelmöbel. Und die Art der Versteigerung sorgt für immer neue Interessenten.

Überhaupt ist Eiche aus OWL in ganz Europa gefragt. Bieter aus Dänemark kommen ebenso wie aus Österreich und dem Baltikum. Für die Vielzahl der privaten Waldbesitzer wäre ein Verkauf ohne diese Art der Versteigerung nahezu unmöglich. Während das Massengeschäft im Wald direkt erfolgt, wird die Premiumqualität extra aufgearbeitet und gezeigt. Die Förster Erhard Oehle und Markus Rübsamen übernehmen seit Jahren die »Warenpräsentation«.

590 Festmeter Holz

Trotz zahlreicher Wetterkapriolen im Winter 2017/18 von Dauerregen über Sturm wie dem Orkan »Friederike« bis zu nicht passierbaren Wegen konnte man 590 Festmeter Holz nach Bielefeld holen. Davon entfallen allein 410 auf Eiche, momentan der Verkaufsschlager. Schnittholz aus den Stämmen geht in die Möbelindustrie, wird als Furnier in exklusiven Yachten oder feinen Esszimmern verbaut oder als Blockware an die Industrie geliefert.

Dass man sich forstpolitisch in turbulenten Zeiten bewegt, treibt laut Raguse nicht nur die Vielzahl der Waldbesitzer um. Er als »geborener Optimist« sei überzeugt, dass 2018 nicht die letzte Submission gewesen sei. Da könnten kartellrechtlich gar keine Absprachen passieren. Vielleicht müsse man vielleicht einfach nur der Sache einen anderen Namen geben.

Außer dem Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld gibt es in der Region noch das Forstamt Hochstift in Paderborn, das für die Kreise Paderborn und Höxter zuständig ist.

Holzmarkt im Umbruch

NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU) hat angekündigt, dass der Landesbetrieb Wald und Holz ab 2019 die Holzvermarktung für private und kommunale Anbieter einstellen werde. NRW prüfe, ob es die Gründung regionaler Vermarktungsorganisationen fördern könne. Hintergrund: Das Bundeskartellamt prüft den Holzmarkt in NRW. 2015 untersagte das Amt bereits in Baden-Württemberg die gebündelte Holzvermarktung. Über seinen Landesbetrieb vertrieb Baden-Württemberg nicht nur Holz aus dem eigenen Staatswald, sondern auch von Kommunal- und Privatwäldern. »Von dem Verbot freigestellt sind jedoch Waldbesitzer, wenn sie weniger als 100 Hektar Wald haben«, sagt Kartellamtssprecher Michael Detering. Sie dürfen weiter gemeinsam vermarkten.

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