Verkehrsclub will Diskussionen anregen Der Jahnplatz aus Sicht der Fußgänger

Bielefeld (WB). Alle reden, wenn es um den Jahnplatz geht , über Autos und Busse, über Diesel und Lieferverkehr. »Wir wollen auch die Sicht der Fußgänger einnehmen«, sagt Bernd Küffner, Vorstandsmitglied im Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter hat er am Samstag eine Jahnplatz-Begehung gemacht.

Von Sabine Schulze
Bernd Küffner und Bärbel Mörchen zählen am Samstag Passanten und Fahrzeuge und halten die Ergebnisse fest. Bei der Begehung des Jahnplatzes werden auch Grünphasen gestoppt sowie Rad- und Fußwege ausgemessen.
Bernd Küffner und Bärbel Mörchen zählen am Samstag Passanten und Fahrzeuge und halten die Ergebnisse fest. Bei der Begehung des Jahnplatzes werden auch Grünphasen gestoppt sowie Rad- und Fußwege ausgemessen. Foto: Mike-Dennis Müller

Treffpunkt war die Alcina-Uhr. Hier wurde die zweigeteilte Fußgängerampel zur Bahnhofstraße in den Blick genommen. 13 Sekunden lang hatten die Passanten »grün«, nur in eine Richtung hatten sie etwas länger freie Bahn, damit es sich auf der Mittelinsel nicht staut. 84 Menschen kreuzten den Jahnplatz in dieser Zeit. Dann folgte die Grünphase für die Autofahrer: »1,18 Minuten«, lautete das Messergebnis von Küffner. In der Zeit waren fünf Autos Richtung Kunsthalle und 18 Richtung Stadthalle gefahren. »Dazu zwei Busse und ein Laster«, listete Peter Wittmann, der das Zählen übernommen hatte, auf.

Irgendwie, waren sich alle einig, war das ein Missverhältnis. »Zumal es Studien gibt, dass eine Fußgängerampel nicht viel länger als 30 Sekunden lang ›rot‹ zeigen sollte. Nach 45 Sekunden gibt es die ersten ›Rot-Läufer‹«, informierte Küffner. Seine Überzeugung: »Der Jahnplatz ruft danach, dass er fußgängerfreundlicher wird.«

Spielgeräte auf dem Niederwall?

Relativ unproblematisch, fanden die VCD-Mitglieder, ist die Breite von Fuß- und Radweg vor McDonalds und Fischgaststätte, und auch die drei Fußgängerampeln hinüber zum Haus der Technik sind so geschaltet, dass man »in einem Rutsch« über die Straße kommt. Allerdings: Wer gehbehindert ist, wird das nicht leicht schaffen. Eindeutig zu schmal – aber das ist nichts Neues – ist der Bereich zwischen Haltestellen und Geschäften im Bereich von Riemeier: Hier kommen sich Fahrgäste, Fußgänger und Radfahrer leicht in die Quere. An der Ecke zum Niederwall war Küffner mit Blick auf die v on der Verwaltung vorgelegten Pläne zufrieden: Wenn der Niederwall im vorderen Bereich für Autos gesperrt würde, wäre das ein Gewinn: »Man könnte Kinder laufen lassen und dort, wo jetzt Asphalt ist, Spielgeräte aufstellen.« Aufenthaltsqualität bekäme der Platz hier auch durch Sitzgelegenheiten – und durch mehr Ruhe wegen des fehlenden Autoverkehrs. »Einfach einmal ganz anders denken«, fordert Küffner.

Und wenn statt der jetzt 22.000 Fahrzeuge nur noch 12.000 unterwegs wären, wäre die Luft sauberer und der Platz beruhigt. »Derzeit ist er sehr laut: 68 bis 70 Dezibel werden hier gemessen. Wer sich hier länger aufhält, gefährdet seine Gesundheit«, sagt Küffner.

»Erkenntnisse banal und alltäglich«

Bärbel Mörchen ist überzeugt, dass von weniger Verkehr die Außengastronomie profitieren würde – und auch der Einzelhandel: »Wer mit dem Auto über den Jahnplatz fährt, gibt hier kein Geld aus.« Peter Kraut pflichtet ihr bei: »Es gibt rund um das Zentrum viele Parkhäuser und Parkplätze, die sind aus jeder Himmelsrichtung zu erreichen. Man muss nicht mit dem Auto über den Jahnplatz fahren – mal davon abgesehen, dass es Bus und Bahn gibt.«

Wie sehr Fußgänger ausgebremst würden, sagt Küffner, sei anachronistisch. Der VCD wünsche sich, dass noch viel mehr über die Gestaltung des Jahnplatzes diskutiert werde. »Die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, sind banal und alltäglich. Es wäre aber schön, wenn sie berücksichtigt würden.«

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