Trauertattoos werden immer beliebter – Ausstellung in Bielefeld Erinnerungen auf der Haut

Bielefeld (WB). Drachen, Rosen, Anker – solche Motive lassen sich Menschen oft tätowieren. Aber das Bild eines verstorbenen Angehörigen oder des toten Hundes? Sogenannte Trauertattoos kommen immer häufiger vor, wie die Ausstellung »Unsere Haut als Gefühlslandschaft« bei dem Bielefelder Bestatter Andreas Niehaus zeigt.

Von Dietmar Kemper
Bestatter Andreas Niehaus mit Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth in der Tattoo-Ausstellung.
Bestatter Andreas Niehaus mit Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth in der Tattoo-Ausstellung. Foto: Mike-Dennis Müller

»Das geht sprichwörtlich unter die Haut«, sagt Niehaus. Menschen, die sich ein Trauertattoo stechen lassen, verwendeten Vorlagen aus dem Leben des verstorbenen Angehörigen, erzählt der 42-jährige stellvertretende Vorsitzende des Bestatterverbandes NRW. Das könne das Bild des Toten, dessen Name oder Unterschrift sein. Mütter ließen sich zum Beispiel den Namen des Sohnes auf den Oberarm tätowieren. »Es gibt das Bedürfnis, den Verstorbenen immer bei sich zu haben, manchmal auch nur ganz klein unter der Uhr am Unterarm«, erzählt Niehaus und verweist auf Tätowierer, die sagten, dass Trauertattoos inzwischen keine Seltenheit mehr seien.

Ein Weg, Trauer zu verarbeiten

In der Ausstellung im Bestattungshaus Im Stift in Bielefeld-Schildesche sind mehr als 20 zu sehen. In den allermeisten Fällen waren es Frauen, die sich von der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth abbilden ließen. Die unmittelbare Erinnerung auf der Haut sei für sie ein Weg, die Trauer zu verarbeiten, erläutert Niehaus. Viele Männer glauben hingegen, sie müssten allein klarkommen und gegen den Verlust ankämpfen.

Für die Fotografin Oeft-Geffarth aus Halle war es keine Arbeit wie jede andere. »Ich wollte den Menschen gerecht werden und die Komplexität der Persönlichkeit und der Trauer darstellen und nicht einfach nur Tattoos fotografieren.« Nach einem gemeinsamen Aufruf mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesverbandes verwaister Eltern und trauernder Geschwister Deutschland, Katrin Hartig, meldeten sich bundesweit 200 Frauen und Männer. Auch wenn Trauer etwas Intimes sei, habe bei ihnen das Bedürfnis geherrscht, sich auszudrücken. »Tattoos sind ein Kommunikationsmittel«, betont Oeft-Geffarth. Mit ihnen hätten die Betroffenen einen Gesprächskanal geöffnet.

Letzte Chance, Ausstellung zu sehen

Früher habe man dem geliebten Toten eine Haarlocke abgeschnitten und mit nach Hause genommen, heute lasse man sich den Namen tätowieren, sagt Stephan Neuser. »Über das Tattoo hat man eine bleibende Verbindung zu dem Verstorbenen«, sagt der Generalsekretär des Bundesverbands deutscher Bestatter dem WESTFALEN-BLATT.

Die Wanderausstellung »Unsere Haut als Gefühlslandschaft« ist in Bielefeld noch bis diesen Sonntag zu ­sehen.

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