Wettbewerbszentrale klagt erfolgreich gegen Jungunternehmer Bier muss aus Bielefeld stammen

Bielefeld (WB). Das »Bielefelder Flutlicht« ist zwar das Bier eines Bielefelders, es wird aber nicht in Bielefeld gebraut. Und das ist ein Problem für Mike Cacic. Am Freitag hat das Landgericht der Klage der Wettbewerbszentrale gegen den Jungunternehmer stattgegeben.

Von Hans-Heinrich Sellmann
Mike Cacic hat 160.000 der mutmaßlich falsch etikettierten Flaschen seines Bieres inzwischen vertrieben. Doch damit ist der juristische Streit noch nicht beendet.
Mike Cacic hat 160.000 der mutmaßlich falsch etikettierten Flaschen seines Bieres inzwischen vertrieben. Doch damit ist der juristische Streit noch nicht beendet. Foto: Markus Poch/Archiv

Cacic firmiert unter dem Namen »Ravensberger Brauerei«. Die ersten Flaschen hatte er ursprünglich im Hotel zur Spritze an der Windelsbleicher Straße gebraut und abgefüllt – in Bielefeld und damit nicht zu beanstanden. Als die Nachfrage stieg, zog Cacic die Schlossbrauerei Rheder hinzu, um dort das »Bielefelder Flutlicht« herzustellen – im Kreis Höxter, und das rief die Wettbewerbszentrale auf den Plan.

Denn auf den Etiketten stand weiterhin nicht nur der Name des Bieres, der auf die Stadt am Teuto hinwies, sondern auch als Standortangabe die Spindelstraße in Bielefeld, Cacic’ Privatadresse. »Und da werden Sie ja kaum gebraut haben«, sagte Wolfgang Drees, Vorsitzender Richter der 8. Kammer des Landgerichts für Handelssachen. Darüber hinaus sei die Schlossbrauerei Rheder weder in Bielefeld noch im Ravensberger Land verortet.

Beschwerdeführer nicht genannt

Diese Irreführung über die Herkunft des Bieres war für die Parteien unstreitig. Gleichwohl kamen die Rechtsanwälte Dr. Hans-Jürgen Buchmüller (Kanzlei Brandi) für die Wettbewerbszentrale und Jan-Christian Hochmann (Kanzlei Rostek) für Mike Cacic nicht überein, einen Vergleich zu schließen. Es kam zum Urteil: Solange das »Bielefelder Flutlicht« nicht in Bielefeld gebraut wird und es auch nicht aus einer Brauerei im Ravensberger Land stammt, darf es von Cacic weder beworben noch verkauft werden.

Den aufsehenerregenden Slogan »Endlich kein Bier mehr aus Herford« hat Cacic zwar inzwischen in das unverfängliche »Aus Überzeugung anders« geändert. Das Gericht bestätigte aber die Überzeugung der Wettbewerbszentrale, dass der Slogan gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoße. Im Laufe des Prozesstages hielt sich hartnäckig das Gerücht, die Herforder Brauerei selbst würde hinter der Klage stecken. Rechtsanwalt Buchmüller bestätigte aber lediglich, dass die Wettbewerbszen­trale niemals aus eigenem Antrieb tätig werde, jedoch ebenso wenig, auch ihm gegenüber nicht, den Beschwerdeführer nenne.

Berufung »schon aus Prinzip«?

Beide Parteien wollen nun die konkrete Urteilsbegründung abwarten. Hochmann schließt nicht aus, dass Cacic anschließend Berufung einlegen werde. In Sachen Herforder »schon aus Prinzip«. Sollte Cacic sich davon allerdings einen Zeitgewinn versprechen, in zwei Wochen will er den Bauantrag für eine Brauerei auf dem Gelände der Möller-Werke in Brackwede stellen und nächstes Jahr dort auch brauen, verweist Buchmüller auf die vorläufige Vollstreckbarkeit des Urteils. Ausgeschlossen sei es nicht, dass die Wettbewerbszentrale bei Gericht die Festsetzung eines Ordnungsgeldes beantragt, sollte sich Cacic nicht an das Urteil halten.

Der lässt das Bier inzwischen in Marsberg (Hochsauerlandkreis) brauen, und schreibt nach eigenen Angaben auch den korrekten Brauort auf die Flaschen.

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