Adolf Kampeter plant Teilabriss des Hotels »Zur Spitze« und investiert in Seniorenbetreuung Tagespflege statt Bistro

Bielefeld (WB). Die Senner müssen Abschied nehmen von einem beliebten Treffpunkt und dem einzigen Hotel im Stadtbezirk: Das Bistro zur Spitze wird zum großen Teil abgerissen und soll einem Seniorenzentrum weichen. »Alles hat seine Zeit«, meint Eigentümer Adolf Kampeter, der in vierter Generation den Gastronomiebetrieb im Herzen Sennes führt.

Von Kerstin Sewöster
Bald Geschichte: Das Bistro Zur Spitze wird abgerissen und weicht einer Senioreneinrichtung. Der Bereich mit dem Kaminzimmer (links bis zum Busch) bleibt erhalten und wird für eine Tagespflegeeinrichtung genutzt. Eigentümer Adolf Kampeter investiert nach eigenen Angaben drei bis vier Millionen Euro in das Objekt, das nach an die Caritas vermietet werden soll.
Bald Geschichte: Das Bistro Zur Spitze wird abgerissen und weicht einer Senioreneinrichtung. Der Bereich mit dem Kaminzimmer (links bis zum Busch) bleibt erhalten und wird für eine Tagespflegeeinrichtung genutzt. Eigentümer Adolf Kampeter investiert nach eigenen Angaben drei bis vier Millionen Euro in das Objekt, das nach an die Caritas vermietet werden soll. Foto: Kerstin Sewöster

Das letzte Bier zapft der 57-Jährige am 31. März an der Bar im Kaminzimmer. Der Hotelbetrieb mit 30 Betten, für den seine Frau Anke zuständig ist, wird bis zum 1. Oktober weiter geführt. Elf Pensionszimmer für Langzeitgäste, die sich überhalb des Kaminzimmers befinden, will Kampeter weiter betreiben.

Mangelnde Auslastung ist es nicht, die Adolf Kampeter zum Abschied von der Spitze veranlasst. »Das Hotel läuft super, wir müssen regelmäßig Zimmer absagen«, meint das Senner Urgestein. Auch das Bistro wird gut besucht. Mit dem Umbau der Traditionsgaststätte wolle er jedoch auch angesichts seines Alters die Weichen stellen. Seine beiden Söhne leben in Bonn und Berlin und stehen als Nachfolger nicht zur Verfügung. »Ich führe die Spitze in eine neue Zeit«, sagt Kampeter.

Drei bis vier Millionen für seniorengerechtes Wohnen

Ursprünglich wollte er den Gastronomiebetrieb in einem kleineren Rahmen aufrecht erhalten. Geplant war, das Kaminzimmer zu erhalten, mit einer Küche zu versehen. Den Gebäudetrakt bis zur Straße Am Waldbad wollte er zugunsten eines Hotels abreißen lassen. »Die damit verbundenen Vorgaben hätte aber jede Investition ad absurdum geführt«, meint Kampeter. So hätte er allein für den Bereich des Kaminzimmers 28 Parkplätze vorhalten müssen und für das Hotel hätte er vor dem eigenen Haus, das hinter dem Bistro liegt, einen Lärmschutzwall errichten müssen.

Deshalb entschied sich Adolf Kampeter für Plan B. Nun will er drei bis vier Millionen in seniorengerechtes Wohnen investieren und den Komplex an die Caritas vermieten. Vorgesehen sind zwei Wohngruppen mit jeweils zwölf Zimmern sowie im oberen Gebäudeteil vier Appartements mit Zugang zu einer Dachterrasse.

Abgerissen werden sollen die Gebäudeteile, die heute die Hotelrezeption und Billardzimmer ausmachen, betroffen ist auch der markante Raum mit dem Fenster-Rundbogen.

Kaminzimmer bleibt bestehen

Bestehen bleiben das Kaminzimmer sowie der daneben liegende Bistrobereich im Fachwerkstil. Dort wird nach den aktuellen Plänen eine Tageseinrichtung geschaffen. »Der Kamin bleibt«, sagt Kampeter, dem eine gemütliche Atmosphäre inklusive »vieler Ohrensessel« vorschwebt. Bei der Gestaltung der gesamten Einrichtung arbeitet der Betriebswirt eng mit der Caritas als künftigen Mieter zusammen. Der Biergarten soll ebenfalls von den Tageseinrichtungs-Besuchern genutzt werden können.

Den Abrissantrag hat Adolf Kampeter bereits gestellt, ebenso wie den Antrag auf Nutzungsänderung. »Der Bauantrag ist in Arbeit«, meint der Noch-Gastronom, der zurzeit keine Angaben zum Abriss geben kann. Die Mitarbeiter, fünf fest angestellt und neun Aushilfen, sind informiert. Und die Brauanlage, in der Kampeter sein Spitze hell und Spitze dunkel gebraut hat, wurde schon Mitte vergangenen Jahres abgebaut. »Die hat ein Jungbrauer in Kulmbach übernommen«, freut er sich über die Weiternutzung.

Adolf Kampeter stammt aus einer Gastronomenfamilie. »Ich habe noch eine alte Schankerlaubnis mit preußischem Siegel«, sagt Adolf Kampeter. Als Kind wuchs quasi in dem Restaurant auf, das einst Kreuzkrug hieß. Als sein Vater starb, unterstützte er 18-jährig seine Mutter Margarete Kampeter, später wurde der Betrieb verpachtet, bis Adolf Kampeter selbst 2002 das Bistro übernahm und umfangreich umbaute. Unter anderem wurde aus dem »hässlichen weißen Tanzsaal« das gemütliche Kaminzimmer.

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