Profiler des Landeskriminalamts nehmen sich alte Akten vor 50 ungeklärte Mordfälle aus OWL im Fokus

Bielefeld/Düsseldorf (WB). Seit 1970 mussten Kriminalbeamte in NRW etwa 900 Mordakten schließen, ohne den Täter ermittelt zu haben. Profiler des Landeskriminalamts schlagen die alten Akten nun wieder auf.

Von Christian Althoff
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Kindergartenpraktikantin Sandra Zimmermann (17) trampte am 15. März 1992 von Bünde in ihre Heimatstadt Bad Salzuflen, als sie einem Sexualmörder in die Hände fiel. Margret Cieslik (55) war im Juni 2002 mit ihrem Fahrrad in Hille-Unterlübbe (Kreis Minden-Lübbecke) unterwegs, als ein Unbekannter sie in der Nähe des Friedhofs vom Fahrrad riss und erstach. Beide Fälle sind bis heute ungeklärt – wie etwa 50 weitere Tötungsdelikte, die seit 1970 allein in Ostwestfalen-Lippe begangen wurden. Ungeklärte Morde – sie sind vor allem für die Hinterbliebenen eine enorme Belastung.

In der Mehrzahl kannten sich Opfer und Täter

Die Aufklärungsquote bei den »Straftaten gegen das Leben«, wie die Fälle in der Kriminalstatistik heißen, ist eine der höchsten. So wurden 2016 in NRW 95 Prozent dieser Verbrechen geklärt. Das liegt auch daran, dass sich Opfer und Täter in der Mehrzahl der Fälle kannten, vielleicht sogar verwandt waren. Deutlich schwieriger werden die Ermittlungen, wenn der Täter ein Fremder ist – ein Einbrecher vielleicht, ein Räuber oder ein Sexualtäter.

Das Landeskriminalamt in Düsseldorf hat aus seinen Daten­beständen seit 1970 landesweit 900 ungeklärte Mordfälle herausgefiltert und entsprechende Listen an jene Behörden geschickt, die ursprünglich mit der Klärung beauftragt waren. So ging eine Aufstellung mit etwa 50 Fällen ans Polizeipräsidium Bielefeld, das für Mordermittlungen in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Lippe, Gütersloh, Höxter, Paderborn und der Stadt Bielefeld zuständig ist.

»Kriminaltechnik hat sich rasant entwickelt«

In Bielefeld werden in den kommenden Monaten die Akten der offenen Fälle eingescannt. Sie landen in der neuen Düsseldorfer Datenbank für »Cold Cases«, für ungeklärte Fälle. Die Asservate, also Tatwaffen, Kleidung, Finger­nägelabschnitte von Opfern, an denen sich Täterspuren befinden können – alles das bleibt erst Mal in Bielefeld und wird im Bedarfsfall vom LKA angefordert. Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamts: »Manchmal hilft ein frischer Blick von draußen, um auf einen neuen Ermittlungsansatz zu kommen. Außerdem hat sich die Kriminaltechnik so rasant entwickelt, dass wir vielleicht heute Spuren auswerten können, die noch vor Jahren unbrauchbar erschienen.« Bearbeitet werden die »Cold Cases« von der Profiler-Abteilung des Landeskriminalamts. Sie besteht aus zehn erfahrenen Mordermittlern, die sich bei Bedarf externen Sachverstand von Kriminalpsychologen und anderen Wissenschaftlern holen.

In einem ersten Angriff wollen sich die Profiler die ungeklärten Fälle seit 1990 vornehmen. Später werden die Fälle untersucht, die bis 1970 zurückreichen.

Ihre Tode sind noch ungeklärt:

Agnes Niewöhner (84) wurde am 10. Februar 2014 in ihrem Haus in Vlotho-Exter (Kreis Herford) erstochen. Vermutlich sollte die geh­behinderte Witwe ausgeraubt werden. Sie hatte ihre Ersparnisse allerdings schon vor längerer Zeit aus einem Versteck im Haus geholt und in ein Bankschließfach gebracht.

Nelli Graf (46) aus Halle wurde am 16. Oktober 2011, zwei Tage nach ihrem Verschwinden, tot in einem Wald entdeckt. Augen und Mund der dreifachen Mutter waren mit Panzerband verklebt, die Hände gefesselt. Bei der Obduktion wurden unter anderem zehn Stiche ins Herz festgestellt – und zwei fremde DNA-Spuren.

Irma Kaiser (83) wurde im August 2012 umgebracht. Die alleinlebende Witwe aus Petershagen-Döhren wurde am 13. August morgens um 8.15 Uhr von ihrer Tochter tot in ihrem Anwesen gefunden. Die Obduktion ergab, dass sie erschlagen worden war. Das Motiv blieb unklar. Die Mordkommission fand eine fremde DNA-Spur.

Johann Isaak (44) starb am 19. Dezember 2006. Der Mitarbeiter der BASF in Minden hatte im Pausenraum des Chemie-Unternehmens aus einer Fanta-Flasche getrunken, deren Inhalt mit Zyanid versetzt war. Die Mordkommission fand noch eine weitere Flasche mit Gift im Kühlschrank. Das Motiv wurde nie geklärt.

Frauke Liebs (21) aus Lübbecke wurde am 20. Juni 2006 in Paderborn verschleppt. Die Schwesternschülerin meldete sich noch sieben Mal per Handy sehr kurz bei ihrem Exfreund, ihrem Bruder und ihrer Schwester. Fast vier Monate später entdeckte ein Jäger ihre sterblichen Überreste in einem Wald in Lichtenau.

Susanne Nieter (38) , die in Herford als Lehrerin arbeitete, und ihr Mann hatten sich getrennt. Am 30. April 2001 entrümpelten beide ihr einsam gelegenes Forsthaus in Steinhagen. Als der Mann mittags von einer Fahrt zur Deponie zurückkam, fand er seine Frau mit schwersten Kopfverletzungen. Sie starb in der Uniklinik Münster.

Johannes »Hansi« Funke aus Salzkotten war als Taxifahrer in Hövelhof unterwegs, als der Familienvater in der Nacht zum 15. April 1994 erstochen und ausgeraubt wurde. Der Mörder floh mit dem Taxi und schleifte das Opfer kilometerweit mit. Der Wagen wurde später an den Paderborner Fischteichen entdeckt.

Ingo Gratzik (37) und seine Frau Cornelia (44) wurden in der Nacht zum 1. Dezember 2005 in ihrem Haus in Delbrück-Bentfeld erschossen, mit Benzin überschüttet und angezündet. Gratzik war Militariahändler und besaß viele wertvolle Stücke, die verschwunden sind. Die Polizei geht von einem Raubmord aus.

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1987 brutal ermordet wurden 2 junge Mädchen

2 junge Mädchen, im Alter von 6 und 11 Jahre, waren beide Geschwister, wurden 1987 in Bielefeld/Senne, brutalst ermordet.
Bis heute ungeklärt

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