Bielefelds Lebensmittelausgabestellen bedienen alle Bedürftigen »Wir machen keine Unterschiede«

Bielefeld (WB). Die Entscheidung der Essener Tafel, Lebensmittel vorübergehend nur noch an Menschen mit deutschem Ausweis auszugeben , stößt bei den Lebensmittelausgabestellen in Bielefeld auf Unverständnis. »Bei uns wird jeder bedient«, sagt Jörg Steckel vom Vorstand der Bielefelder Tafel.

Von Michael Schläger
Christoph Lübbert ist Helfer beim Bielefelder Tisch, der eine Suppenküche betreibt und Lebensmittel ausgibt.
Christoph Lübbert ist Helfer beim Bielefelder Tisch, der eine Suppenküche betreibt und Lebensmittel ausgibt. Foto: Mike-Dennis Müller

Die Bielefelder Tafel ist mit vier Ausgabestellen (Rabenhof, Jöllenbeck, Brake, Quelle) und 7000 Menschen, die regelmäßig versorgt werden, der größte Anbieter für Bedürftige in der Stadt. Allerdings: Aktuell gibt es dort einen Aufnahmestopp – für alle. »Wir kommen an unsere logistischen Grenzen, können zurzeit nicht mehr leisten«, sagt Jörg Steckel vom Vorstand der Tafel. Konflikte zwischen deutschen Kunden und Kunden mit Migrationshintergrund seien nicht auffallend. »Wir haben eine Nutzerordnung, in der geregelt ist, zu welchen Bedingungen wir Lebensmittel ausgeben«, sagt Steckel. Wer sich nicht daran halte, werde ausgeschlossen.

Herkunft entscheidet nicht über Ausgabe der Lebensmittel

Der »Bielefelder Tisch«, der Dornberger Lebensmittelkorb, der Brackweder Lebensmittelpunkt und »Von Hand zu Hand« in Sennestadt sind vier kleinere Anbieter, die sich zu einem Runden Tisch der Lebensmittelausgebestellen zusammengeschlossen haben. Auch deren Sprecher betonen übereinstimmend, dass die Herkunft nicht über die Ausgabe der Lebensmittel entscheide.

»Wir sind der Überzeugung, dass die Entscheidung der Essener Tafel in die falsche Richtung geht«, sagt Matthias Blomeier, Sozialpfarrer beim Ev. Kirchenkreis Bielefeld und beim Bielefelder Tisch aktiv. Bielefeld sei bunt und weltoffen. Bei der Ausgabe der Lebensmittel dürften Hautfarbe oder Nationalität nicht entscheidend sein. »Es gibt keine Bedürftigkeit erster und zweiter Klasse.« Die Notwendigkeit Lebensmittelausgabestellen einzurichten, folge aus einer »über Jahre verfehlten Sozialpolitik.«

Verhältnis 50 zu 50 zwischen Deutschen und Migranten

Ulrich Wienstroth vom Bielefelder Tisch berichtet, dass seine Organisation jede Woche rund 250 Familien mit Lebensmitteln versorge. Darüber hinaus würden wöchentlich bis zu 500 Essensportionen ausgegeben. »Das verursacht hohe Kosten, aber wir müssen für unsere Räume Miete an die Stadt bezahlen.« Klaus Milsmann vom Brackweder Lebensmittelpunkt betont, dass Unterschiede nur bei Personen mit Kinderwagen oder Rollatoren gemacht werden. »Die werden vorrangig bedient.« Die Helfer des Lebensmittelpunktes berichteten zuweilen von einer besonders »fordernden Kundschaft«. Oft stünden dahinter aber Familien mit 10 bis 14 Angehörigen. Ziel sei es jedoch, alle, die kämen auch mit Lebensmitteln versorgen,

Der große Flüchtlingszustrom 2015 habe sich auch bei den Nutzern der Lebensmittelausgabestellen niedergeschlagen. Die kleineren Einrichtungen sprechen von einem Verhältnis 50 zu 50 zwischen Deutschen und Migranten, die Tafel von 40 Prozent deutschen Kunden und 60 Prozent Kunden mit Migrationshintergrund. Allen Einrichtungen ist gemein: Umsonst gibt es die von Supermärkten oder Bäckern zur Verfügung gestellten Lebensmittel nicht. Zwischen einem und 1,50 Euro sind bei den meisten je Tüte fällig, bei der Tafel zahlt eine vierköpfige Familie mit kleineren Kindern maximal zehn Euro.

Auch andere Lebensmittelausgabestellen haben für den Entschluss der Essener Tafel wenig Verständnis und bedienen weiterhin ohne Ausnahme alle Bedürftigen.

Kommentare

Schräge Einstellung

"Bielefeld sei bunt und weltoffen." Essen nicht? Bei 75% ausländischen Kunden, die 10% der Bevölkerung stellen? In Bielefeld ist sogar Aufnahmestopp für alle.Und nun? Hungern? 50%-50 % spiegelt auch in keinster Weise den Bevölkerungsquerschnitt an ALG 2 Bezieher und Armutsrentner. Der Anteil der Ausländer in Bielefeld,rechtfertigt keinen 50% Anteil bei der Tafel. Die bedürftigen deutschen Einwohner werden hier diskriminiert. Bekämpft Ursachen und lindert nicht Symptome und haltet die Leute nicht in Abhängigkeit. Gerechtigkeit für die Menschen! Eure Barmherzigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade! (Pestalozzi)

Oje...

".....»fordernden Kundschaft«. Oft stünden dahinter aber Familien mit 10 bis 14 Angehörigen".
Alter Schwede... wie soll Wohnraum/Leben für so eine Familie aus eigener Arbeit finanziert werden? Mit Helfertätigkeiten? Jetzt auch noch Nachzug der 2.+ 3. Frau (CDU-NRW) , statt Wiederaufbau des zu 95% befriedeten Heimatlandes?

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